Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Plage des Alters, die Einsamkeit, erfahren hat, and) dieser Greis ist trotz alledem lebensmüde geworden und sehnte sich nach Wiedervereinigung mit seiner Gattin und sagte wohl scherzend, er dürfe sie nicht länger warten lassen. Es ist der schönste Abschluß eines glücklichen Gebens: nach einem reichen und voller: Dasein ein sanftes und williges Sterben. Aber Ihnen, m. L.l bleibt als süßer Trost die Erinnerung an ihren Vater, der so tüchtig uird kräftig sich das Dasein gestaltete und mit so inniger Liebe an seinen Kindern, an seinen Enkeln und Urenkeln hing. Der große heidnische Dichter hat mit einer unübertrefflichen schönen Hyperbel das Leben den Traum eines Schattens genannt. Das mag für manches Menscbenleben zutreffen. Aber es ist völlig unwahr für den Mann, den wir jetzt bestatten, für ihn, der von der Wiege bis zum Grabe in siebenundachtzig Jahren so viel Liebe genossen hat, der in der That eine עטרת פ״ז, die Krone dieses hohen Alters mit Würde getragen, der als Sohn, als Gatte, als Bruder, als Bater und Ahnherr eines großen Gesckrlechts so viel Gutes gespendet, der mit einer unermüdlichen Arbeitskraft begabt in seinem Berufe erfolgreich gewirkt hat. Sie, m. v. L.! haben im Momente der; herben Schmerz; nachdem Ihnen der Frühlingssturm die Mutter hinwcggesührt hat, ist jetzt Ihr Bater von des Herbstes hartem Hauch erblaßt und zusammengesunken. Aber gerade weil der Tod so rasch hintereinander die Eltern getroffen hat, lebt das Bild Ihrer Eltern nrrr um so inniger vereint in ihrem Gemüthe; Sie haben den frommen Glauben, der arrch den Entschlafenen beseligt hat, daß der Mensch nicht zur Erde sondern zum Himmel geht; ist das doch kein Glaube, der an eine bestimmte Religion gebunden ist, sondern die lieberzengüng der edelsten Geister aller Zeit; und derselbe Heide, der in dem vorhin erwähnten Gleichnis; über das Leben so abschätzig urthcilt, sagt: ״Zwar folgt der Leib eines Jeglichen der zwingenden Macht des Todes, aber lebendig bleibt des Lebens Ebenbild, denn dies entstammt der Gottheit." Klingt