Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
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27 er soll wohnen in den Zelten Sem's. Diesen Vers erläutern die alten Meister wie folgt: Japhet, der Stammvater der Griechen, ist der Vertreter aller weltlichen Kenntniß, Sem, der Stammvater der Hebräer, ist der Träger des religiösen Lebens, und so sagen die Alten: Japhet soll wohnen in den Zelten Sem's, die Religion soll nicht zurückstoßen die Bildung, welche das Leben schmückt und verschönt, sondern sich mit ihr zu trautem Bunde vereinen. Und so ist der Entschlafene von seinen trefflichen Eltern erzogen worden, daß ihm die klassischen Schriften moderner Litteratnr in gleicher Weise zugänglich waren als die heiligen Schriften, daß durch diesen zweifachen Quell sein Geist geklärt und befruchtet worden, daß Sem und Japhet ihre Schütze seinem Verstände spendeten. Mit dieser umfassenden Bildung trat er in's praktische Leben und wurde ein Kaufmann mit weitem Blick, der die Erzeugnisse entfernter Welttheile in dieses Land einführte, der nicht mit engen Gedanken an der engen Scholle hastete. Eine unendliche Fülle von Erfahrung und Lebensweisheit häufte er in seinem Haupte und seine Unterhaltung konnte wie aus ei nenn unerschöpflichen Schatze einem Jeden Vortreffliches und ihn! Gemäßes bieten. Weil er ein. so verständiger und besonnener Mann war, darum hing er nicht mit thörichter Leidenschaft am Leben darum hat er sich zumal in den letzten Monaten, nachdem seine in achtundfünfzigjähriger Ehe verbundene Lebensgefährtin von ihm gegangen war, mit dem Tode vertraut gemacht, er spürte dessen rasches Nahen, während kundige und sonst scharfblickende Aerzte ihn noch fern wähnten. Obgleich Abraham im hohen Alter das vollste Glück e rxoß, so erzählt die Schrift, ist er dennoch, wie wir in der dieswöchcntlichen Sidrah lesen, lebenssatt gestorben, auch dieser Greis, der doch eigentlich Alles besaß, was mit den Beschwerden des Greisenthums aussöhnen und dasselbe verschönen konnte, der an Kindern, Enkeln und Urenkeln sich erfreute, der von guten Kindern, wenn ich so sagen darf, geistig und körperlich gepflegt worden ist, der nie die härteste