Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Streben seine Kenntnisse zu erweitern, seinen Blick zu schärfen und zu klären. Wie begeistert, wie anregend kannte er von seinen Erfahrungen reden, wie gern lauschte man seinen anspruchslosen Worten, die stets klar und anschaulich die Gegenstände schilderten und nicht wie viele andere gebildete Sohne Israels ging er stolz und gleichgültig an den Heiligthümern seines Nolkes vorüber; nein, die Bibel war ihm ein Lieblingsbuch, an dem er sich oft erbaute, und gern sprach er davon, wie ihr schlichter biederer Ton in keiner anderen Sprache so gut wie in der deutschen sich wiedergeben ließe. Die Beschäftigung aber mit dem Gottesworte führte ihn zur Gottcsthat. Dieser Gemeinde hat er lange Zeit als Borsteher die wesentlichsten Dienste geleistet; den ״heiligen Verein", der es sich in dieser Stadt zur Aufgabe gestellt hat, die Kranken zu Pflegen und die Todten würdig zu bestatten, hat ex viele Jahre hindurch geleitet. Diese Stätte des Friedens, auf der wir jetzt hier vereinigt sind, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, er hat sie für den heiligen Zweck, dem sie jetzt dient, eingerichtet. Jeder Verein, der Zwecken der Mildthätigkeit oder der Bildung diente, jedes gemeinnützige Unternehmen, konnte auf ihn zählen und seine Leistung hatte einen doppelten Werth durch die anspruchslose gewinnende Form, in der er sie gewährte. Er hatte für jeden ein Herzliches, freundliches Wort, war mild und duldsam, eifrig bestrebt, etwaige Gegensätze friedlich zu vermitteln und den Armen ein stets bereiter Freund, dessen Gabe dadurch nicht an Werth verlor, daß sie nicht mit lautem Lärm sich hervor drängte; gar mancher Arme klagte in diesen Tagen, daß er an diesem Manne eine große Stütze für den herannahenden Winter verloren habe. Braucht es gesagt zu werden, daß wer also herzlich und treu gegen Fremde sich verhält, rührende Treue und Aufopferung gegen seine Anverwandten bewahrt hat! Sie alle, m. g. L., fühlen die Härte und Schwere, dennoch sind sie als Menschen von wahrer Herzensbildung gefaßt und ergeben in Gott; nicht die Klage um den Verlust allein soll an dieser