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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 24 (sequence 115)
Language
German
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Tagen ein stattlicher Mann in der Bollkrast der Gesundheit durch die Straßen unserer Stadt schritt, und mit heiterem anmnthigem Scherze die Schaar seiner Freunde erfreute, und der nun gebrochen daliegt, eine Beute des unerbitterlichen Todes. Es war ein reiches glückliches Leben, das so rasch zum Abschluß kam; er wußte, daß die reinste Freude darin besteht, Andere zu ersreuen; er hatte einen reichen Geist, ein reines Herz, einen heitern Sinn und einen starken Willen. Was Wunder, daß er glücklich war und beglückt hat, zumal ein günstiges Geschick ihm eine edle Gattin zur Seite gab und ihn in einen Kreis von Anverwandten stellte, die seine Liebe warm und innig enviedert haben. Aber wie sehr hat er auch dieses schöne Geschenk verdient! Gab es einen zärtlichern Gatten als ihn, der noch in vorgerücktem Lebensalter seiner Gattin begegnete wie ein Bräutigam seiner Braut, bei dem ein langes Zusammenleben die Liebe gesestet hatte, ohne ihr den zarten Schmelz zu rauben: der sreundlich, ausmerksam und schonend noch in den letzten Monaten seines Daseins seiner Gefährtin den den großen Schmerz verschwieg, als er schon deutlich den dunklen Fittig des Verderbens über seinem Haupte rauschen hörte; schon der Schmerz macht selbstsüchtig, die Todesangst vollends erstickt in den meisten jede Rücksicht ans Andere; er aber ahnte, daß sein Ende nahe sei, und als die Botschaft von den Lieben kam, und er sie lesen wollte, sprach er es aus, es werde die letzte Botschaft sein, die ihn von ihnen trennen würde, dennoch ließ der selbstlose Mann die treue und edle Gefährtin nichts merken und freundliches Lächeln umspielte seine Lippen, wenn sie ihm nahte. Solche Selbstüberwindung konnte nur ein Mann üben, dessen Geist und Herz gebildet und geschmückt gewesen ist mit den mannigfachsten Vorzügen. Und wer, der mit ihm verkehrte, hätte diese Vorzüge, durch die er aller Liebe gewann, nicht erkannt und erfahren! Von frühester Jugend bemüht, seine Geistesschätze zu mehren, umfaßte er mit besonderer Liebe die Natur und ihr Walten; nicht einfache Schaulust und Neugier führte ihn in die Fremde, sondern das lebhafte

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