Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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20 Wirken und unterstützte ihn darin nach Kräften, sie war ihm eine rüstige Helferin und hat weidlich mitgeholfen, für den Bedarf des Hauses zu schassen und zu sorgen. Ihr war es die reinste Freude, von Keinem bemerkt Gutes zu thun; denn die wahre Tugend hat die jungfräuliche Scham, daß sie erröthet, wenn ein fremdes Auge sich auf ihr Wirken richtet. Dafür hat sie Gott reich belohnt; Gott hat ihr Leben vom Verderben erlöst, ihr Körper blieb bis an die achtzig Jahre rüstig, ihr Geist war bis kurz vor ihrem Tode frisch und empfänglich und nahm Theil an Allem, was die Zeit bewegte, sie war geschickt, über das Leben nackzudenken, und in wohlgeformter Rede ihre Gedanken auszusprechen; ihr Gemüth war vom Verderben erlöst, denn in ihm thronte Gott, sie hatte in ihrem Herzen den Quell des Lebens. Gott hatte sie geschmückt mit Liebe und Erbarmen; sie spendete Liebe und ihr wurde sie überreich zurückgegeben. Ihr Gatte ehrte sie als die Krone seines Hauses, und zumal die Tochter hat ihr in gesunden und kranken Tagen eine Hingebung erwiesen, wie sie selten gesunden wird. Es ist der Lauf der Welt, daß ein Kind, sobald es ein eigenes Heim sich gründet, die Liebe zum Elternhaus zurücktreten läßt; Gatte und Kind ist dann die neue Welt, der sie zuvörderst angehört. Dieser Greisin jedoch war es vergönnt, mit ihrer Tochter, mit ihrem Schwiegersohn, mit ihrem Enkel, ständig zusammenzuleben, und in diesem Haushalt wußte der Takt und das Zartgefühl und die Aufopferung der Tochter die Pflichten gegen den Gatten mit der rührendsten Pflege der Eltern auf's Innigste zu vereinigen. Wie hat diese Frau die Mutter gehegt, wie hat sie ihr Kind in Ehrfurcht gegen die Großeltern erzogen, und wie hat ihre Liebe die Last der Krankheit der Leidenden erleichtert. ״Er hat dein Alter mit Glück gesättigt und es erneute sich wie der Adler deine Jugend." Die Jugend ist die Zeit der Feste, nur selten ist es uns im späteren Leben vergönnt, Feste zu feiern; dieser Greisin aber erneute sich im Alter