Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Wort für diesen jähen Sturz als dies, daß unser ehrwürdiger Freund selbst herausgefunden. Wie einst in Aegypten nach der Schilderung des dieswöchentlichen Schriftwortcs auf die Zeit des Lichtes und Glanzes unter Jacob und Joseph plötzlich die Nacht der Noth hereinbrach, so hat sich in Ihrem Hanse, w. T.! Plötzlich die Lust in Leid gewandelt. Und doch, wenn uns auch dieser jähe Wechsel von Jubelton und Klagelaut erschüttert, so ist doch dieser Heimgang ein Ereigniß, das nicht ausschließlich wehmüthige Empfindungen wecken darf. Es ist wahr, was unsere Alten sagen: ״ein Bund, eine Familie, gleichen einer Mauer, nimmst du einen Stein aus ihr, so ist der ganze Bau erschüttert." Und so hat die innige Gemeinschaft, in welcher in Ihrem Hause Eltern und Kinder und Enkel miteinander lebten, durch diesen Tod einen Stoß erlitten, den sie Alle schwer empfinden. Allmächtig ist die Gewalt der Gewohnheit, und je länger )vir uns eines Gutes erfreuen, desto schwerer wird es uns, es zu entbehren. Aber sollte die Trauer unseren Sinn so ganz gefangen nehmen, daß wir an das gegenwärtige Elend denken und nicht auch in die Vergangenheit unfern Blick zurücksenden. Wahrlich, so wir das Leben dieser Greisin uns vergegenwärtigen, dann schweigt die Klage und ob reichen Segens rusen wir mit dem Sänger: ״Es preise meine Seele den Herrn und vergesse nicht all seiner Wohlthaten, er, der aus dem Verderben dein Leben erlöst hat, der dich gekrönt hat mit Liebe und Erbarmen und der mit Glück dein Alter sättigt, daß sich erneut wie der Adler deine Jugend." (Ps. 103, 2—5.) Gott hat diese Greisin von Jugend an wunderbar geführt; zu einer Zeit, wo die Masse unserer Glaubensgenossen noch in Unbildung und Unkultur aufwuchs, hatte sie das günstige Geschick, eine sorgfältige Erziehung zu genießen, einer tüchtigen Bildung theilhaft zu werden, und in ihrem Elternhause fand die altjüdische Frömmigkeit und die Bildung der Zeit gleichmüßige Pflege. Im Hause ihres Gatten hat sie ihre Pflicht gerecht und treu erfüllt, sie hatte Freude an seinen! frommen Ärabpredigten. 2*