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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 9 (sequence 100)
Language
German
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0 — Sterbens schon lange in sich trng, das hinsiecht an einem Nebel, welches seit der frühesten Jugend im Körper nistet. In solchen Füllen bleibt den Eltern, dem Familienkreise Zeit, sich auf diesen Verlust einzurichten. Aber Ihr Sohn, ein Bild jugendlicher Kraft, dein die Schule des Soldaten nur den Körper gestählt und gefestet hatte, ein langes gesundes Leben schien vor ihm zu liegen, wie weite Pläne mögen Sie ausgesponnen haben für die Zukunft dieses Jünglings, und nun ist all diesem Sinnen und Planen ein jähes Ende bereitet worden! Dieser Jüngling war ein so gutes und treues Kind; jede Lehre, die sie ihm einprägtcn, haftete fest in seinem Gemüthe; alle die Verlockungen, die sonst einen jungen Menschen reizen und auf Abwege führen, hatten keine Macht über ihn, der eine hohe Begeisterung für die Kunst der Töne in seinem Herzen trng; das letzte Schreiben, das er aus dem Krankenhanse an die Eltern richtete, war die Schilderung der erbaulichen Eindrücke, die er von geistlicher Musik empfangen hatte: mit den Geschwistern lebte er in innigster Eintracht; er war eine stille und tiefe Natur, die reiche Schütze der Liebe und Treue in sich hegte. Und mm ist dies Alles, dieses Leben und Blühen, nur ein Schatten, nur eine Erinnerung. Und dennoch patzt gerade beim Tode schuldloser und sittenreiuer Jugend am ehesten das Wort unserer Alten: ״Auch das ist zum Guten!" Sie wissen, wie dornenvoll und steil der Weg des Lebens ist; ehe er zu denen hätte gehören sollen, die sich an diesen Dornen langsam verbluten, ist es wohl besser, daß Gott ihn aus der Fülle der Gesundheit und frohen Höffens zu sich eicksührt hat. Es giebt eine Ueberlieferung aus der griechischen Welt: Zwei Brüder hatten einst ein frommes Werk vollendet; ermüdet von der Arbeit legten sie sich nieder und schliefen; da bat die Mutter von der Gottheit, daß ihren frommen Kindern zmn Lohne ein hohes Glück werde, und die Söhne — erwachten nicht mehr: sie waren dem harten Lebenskämpfe enthoben. Eltern, die einen solchen Schmerz, wie Sie, erfahren, werden am Besten das Dichterwort verstehen, daß

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