Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Und sollte es ohne Bedeutung sein, daß die Alten zuin Gleichniß dieser Zweieinigkeit gerade die beiden Bundestafeln, das heiligste Symbol gewühlt haben, welche Israel verehrt'? Das mochten wir nimmer glauben, vielmehr hier den Hinweis finden, daß die Thora nuu Leber: gewinnt im Hause und in der Ehe. Alles, was die Schrift lehrt, es wäre wie Buchstaben gewesen, die in der Luft umherschwirren, ohne Israels Familien; diese waren so zu sagen die Tafel::, auf welchen die Buchstaben ruhten, auf diesem Grunde waren sie deutlich zu lesen und zu verstehen. Häuser aufrichten, in denen ein Geist waltet, weil die Liebe zwei Seelen zur Einheit formt — die Thora kann in allen ihrer: Satzungen nicht mehr wollen, denn solche Häuser sind die festen Bürgen der Tugend und der Gottesfurcht. Die Tafel:: des Gotlesbundes und der Gottesbund der Liebe werden zusammengestellt, weil es nichts Heiligeres giebt, als die Wahrheit und die Liebe, als die Thora und die Ehe. Darunr ist der Tag, an welcherrr Bräutigam und Brau: zu diesem ewigen Bunde sich vereinen, gleichsau: wie ein Tag der Offenbarung für die jungen Seele::. Wie einstinals die Israeliten in ireudigem Erbeben am Sinai, so stehen Sie geehrtes Brautpaar, freudevoll uud doch ernst, fröhlich und doch in gehobener, heiliger, weltfremder Stimmung hier unter dem Trauhimmel, wissend, daß Sie zu dem entscheidenden durch die Religion besonders geweihten Tage Ihres Lebens gelangt sind. Allen, die wahrhafte Liebe zusaminenführt, ist dieser Tag rer Zenith des Glückes, welches den Menschen erreichbar ist, wie der Tag der Offenbarung der größte Tag bleiben wird in Israels Geschichte, und dem Menschen ist die .Slrnft gegeben, für die ganze Dauer dieses Bundes auf dieser Sonnenhöhe zu verharren, wenn er es innerlich will, wenn er den Bund nicht nur mit den Lippen, sondern mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele schließt. Deshalb blüht Ihnen, geehrtes Brautpaar, mit Gottes Hülfe ein volles Glück, weil der heilige Akt der Weihe, mit dem die Religion Ihren Bund schminkt und krönt, nichts weiter ist als eine Be-