Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9618061-9618062--2074-9618103- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
33 X. Die Aufgabe der Ehe. Trauungsrede von Rabbiner Dr. N. Brüll. Mein werthes Brautpaar! Mehr denn je fühlen Sie in dieser für Sie fo bedeutungsvollen Stunde, in der Sie den wichtigsten Entschluß Ihres Herzens vollführen, in der Sie für alle Zeit ein heiliges Bündniß der Treue und der Eintracht mit einander schließen wollen, sich im Geiste dazu aufgefordert, einen betrachtenden Blick auf die Zukunft zu werfen, die nun für Sie beide eine gemeinsame werden soll, und zu überschauen und zu überdenken die mannichfachen, ja wohl auch schweren und ernsten Lebenspflichten, auf deren Erfüllung Sie von nun an stets bedacht sein müssen, wenn das Liebeswerk, zu dem Sie jetzt den Grund legen, auch für die Dauer Bestand erlangen soll, Heil und Gedeihen. Was aber nun die kominende Zeit Ihnen bringen soll, was sie an Wonnen und Segensgaben soll schaffen und darbieten, das, mein werthes Brautpaar, ist eigentlich zumeist schon jetzt in Ihre Hand gelegt, denn die Freudigkeit des Gemüthes und die Beglückung des Lebens, die fehlen da nie, wo der Geist der Treue und der Liebe zwei Herzen einet, die stellen auch uach den mannichfachen Kämpfen und Trübnissen des Daseins sich wieder ein, wenn Eintracht und Herzlichkeit die Schutzgeister des ehelichen Bundes und. Und Liebe und Treue einander zu weihen, in Frieden und Eintracht auf gemeinsamem Lebenspfad dahinzuwandeln, in' hingebungsvoller Anhänglichkeit sich gegenseitig stets zugethan zu bleiben, das ist es ja, wozu Sie sich jetzt feierlich entschließen, was Sie in dieser Stunde einander wollen versprechen unb angeloben. Die Wünsche, welche Sie für die Zukunft haben, Sie sehen sie, mein werthes Brautpaar, daher jetzt schon erfüllt, wenn es Ihr ernstlicher, fester, entschiedener Vorsatz ist, einander mit Herz und Seele stets zugethan zu sein, wenn Sie in dem Bewußtsein sich beglückt fühlen, daß Sie von nun an ganz und stets einander angehören sollen. Was ist es aber anders als dieses Bewußt- Casualreden. 3