Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 168)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht selten, als ob alle Fugen auseinandergerissen würden nnd selten nur legt sich der beglückende Friede, die ansgeregte Empfindung süuftigcnd und glättend aus ihre Seele. Und noch in einem andern Sinne ist die große Seele dem Weltmeer vergleichbar. Der Sturm wird stärker, wenn die Fluch einen weitern Mrciö umspannt, seine Kraft wird geringer auf der kleinern Mecressläche. Dennoch strebt das Meer rastlos dahin, größer zu werden und das Land zu verschlingen, ob auch der Wind, der Herrscher der See, mächtiger dahinbrauseu wird aus der erweiterten Fluth. So weiß der erhabene Geist eines Denkers oder eines Propheten, daß, je umfassender unsere Denkkraft wird, je mehr unser Empfindungsvermögen sich entwickelt, auch unser Gemüth empfindlicher wird für den Widerstand der Roheit, der Härte und Unnatur, daß das Außerordentliche stets erbitterte Feindschaft weckt; denn die große»! Frühliugsgedanken kommen nur unter Stürmen aus die Erde, und wer sie kündet,!nag auf Nu he verzichten. Dennoch macht der gottbegnadete Mann niunner Halt vor großen Ausgaben aus peinlicher Sorge um sein Wohlergehen, er fürchtet nicht die wachsende Unruhe, den gesteigerten .Kamps; wie das Meer von nncrsättlichem Hunger getrieben, die Küste an sich reißt, so zieht der kraftvolle Mann unermüdlich stets neue Ausgaben in den Kreis seines Wirkens; es ist eine elementare Macht, die ihn vorwürts treibt; ein stilles Sichbegnügen, ein Dasein olmc weithin fördernde Wirkung ihn» zuzumnthen, hieße den Stroru, der hoheitsvoll sich mit dem Meere vermählt, in den engen Brunnen sperren wollen, aus dessen Duell seine »nächtige Fluth entsprang. Aber auch den großen Mann überkommt wohl die Sehnsucht nach dein Frieden, dein stillen beschaulichen Dasein er will die Rüstung von sich legen und sich selber leben und den schlichten Herzensfreuden eines häuslichen Glückes; es ist ein Großes für den Sterblichen, Staaten zu lenken nach seinem Willen, Krieg nnd Frieden zu ordnen durch die Gewalt seines Wortes, zu wissen, daß Völker seinem Winke horchen;