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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 43 (sequence 103)
Language
German
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43 I Israel ist ein Volk, das mit Feuer, mit Leidenschaft die Wahrheit umfaßt hat, das die Fackel des Sinai mit jeder Faser seiner Kraft fest gehalten hat; wir wollen nicht gering denken von der Leidenschaft und sie nicht tadeln; wie die Maschine des Dampfes bedarf, der ihre Räder treibt, so braucht der Mensch ein glühendes Herz, das seinen Arm in Bewegung setzt; die Maschine geht zu Grunde, wenn sie von allzu heftiger Gluth getrieben wird, und so wird ein liebermaß von Leidenschaft der Seele verderblich; nur wird keiner das Feuer deswegen aus loschen, weil es gesteigert den Kessel sprengen kann, sondern er wird es dämpfen. Der Zorn z. B. ist zumeist eine häßliche 11nb Verderbliche Erregung der Seele, aber wenn einer fort und fort in seinem Rechte gekränkt wird, wenn er von seinem Dränger gehöhnt wird, wenn ihm sein Unglück als ein Berbrechen vorgeführt wird, o wie schon steht da die Zornesader der Stirn des Gequälten, wenn er die heißen Worte dem Bösen ins Antlitz schleudert, wenn wie ein Lavastrom die An klage über die Lippen slnthet, den Feind versengend und verzehrend. Es giebt ein reines Feuer, vom Himmel stammend, das auf dem Altar Gottes die Opfer entzündet, die dem Herrn gefallen; es giebt ein irdisches Flammen, das die Seele vertrocknet und auszehrt. Die Fackel des Sinai hat das Feuer in Israel entfacht; es besaßen seine Führer die reine Leidenschaft für das Gute, die Begeisterung, die aufjauchzt, indem sie sich opfert. Wenn wir in das Antlitz der Greise schauen, die von einem edlen Streben erfüllt sind, die Frische der Jugend strahlt aus ihren Augen; dagegen ist nichts erbarmenswerther als ein Alter, der ganz von der Sorge für die eigene gebrechliche Existenz in Anspruch genommen wird. Nein auch ein Volk bleibt jugendfrisch, wenn es von einem hohen Gedanken getragen wird, wenn es einen er-

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