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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 37 (sequence 97)
Language
German
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37 vor einem Jahrhundert noch gar nicht ahnen konnte. Unsere Bedürfnisse werden in einer Weise befriedigt, die ein Jahrhundert zu^or unglaublich erschienen wäre. In wenigen Stunden durcheilen wir Entfernungen, zu deren Zurücklegung man vor Jahrzehnten noch Wochen gebraucht hat. Mit Blitzesgeschwindigkeit fliegt das geschriebene Wort über den ganzen Erdenrund und das gesprochene Wort vermögen wir auf hundert Meilen mit voller Deutlichkeit vernehmbar zu machen; die Schätze fernster Länder werden uns in müheloser Weise täglich übermittelt; immer neue Erfindungen sorgen für die Erhaltung unserer Gesundheit wie für ihre Wiederherstellung, wenn sie gefährdet ist, und ebenso sorgt die nimmermüde Erfindungskraft für die Erleichterung unseres geistigen Fassungsvermögens, für die Erweiterung unserer Anschauungen. Trotz alledem ist es unserer Zeit ganz gewiß mehr als allen früheren Epochen versagt: jenes ruhige Genießen, jene dankbare Gesinnung, jener innern Seelenfriede, der allein das wahre Glück ausmacht. Woher kommt das nun? Doch nur daher, daß unsere Welt mehr als alle andern von Gott sich entfremdet fühlt. Darum ist es auch kein leerer Schall, wenn ihr heute für euer ganzes Leben die Lehre empfangen sollt: ״Wodurch kann die Jugend recht machen ihren Weg? Wenn sie befolgt dein Wort". Es sind nur wenige Momente, die ich euch herausheben will, damit ihr die Wahrheit dieser Lehre begreift. Was uns am leichtesten unglücklich machen kann, ist die Eitelkeit, die Selbstbespiegelung und die damit nothwendig verbundene Selbstsucht. Wir aber sollen nach Gottes Wort wissen, daß alles, ״was wir besitzen nicht unser, sondern sein ist" (I. Chron. 29. 14.); wir sollen zu uns sprechen wie jener frommer Nasir, von dem der Talmud erzählt: ״Gottloser warum rühmst du dich einer Welt, die nicht dein ist?" (Nedarim 9 b.) Wir sollen uns aber auch nicht beugen lassen von dem Widerwärtigen, wir sollen unser Leben betrachten lernen als ein Geschenk aus der gütigen Baterhand Gottes, wir sollen

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