Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Hebe out Schnbuotfeste und) uornugegnugeuer Coufiemntiau. ״Gott hat ein Wort gegeben, die Botinnen sind ein großes Heer." (Ps. 68,12.) M. A! Wenn einem Künstler ein herrliches Bild gelungen ist, wenn ihm sein eigenes Bewußtsein sagt, er könne mit seinem Werke zufrieden sein, darf er dann ans der eigenen Erkenntniß des hohen Werthes seiner Schöpfung den Schluß ziehen, daß er rasch den allgemeinen Beifall gewinnen werde? wenn er diesen übereilten Schluß zieht, dann kennt er wol die Kunst, aber nicht die Menschen. Gerade das Echte und Edle gewinnt nicht im Sturme die Seelen; er würde bitter enttäuscht werden, wenn er auch nur von einer kleinen Schaar die volle Nachempfindung der Vorzüge erwartete, die ihm, dem Schöpfer, sehr deutlich sind; dagegen ist cs nicht unmöglich, daß ein feinfühliger Mann glänzende Eigenthümlichkeiten entdeckt, die dem Künstler selbst entgangen sind; denn dem wahren Künstler ist das Schönheitsgesühl so eingewurzelt, daß er gleichsam instinktiv das Richtige trifft, daß er bei den einzelnen Zügen sich der Gesetze nicht völlig bewußt ist, denen er folgt und durch die er die glänzenden Wirkungen erzielt. Es ist keine Uebertreibung, zu behaupten, daß ein Kenner den Künstler über dessen eigenes Werk unterrichten kann. Und sodann, wenn es durchdringt, wenn die Menschen heranstürmen, es zu bewundern, so wäre es weit gefehlt, in jedem Bewunderer die gleiche Fähigkeit zu vermuthen, um das Schöne zu würdigen; mancher Mensch, wenn ihm der Künstler oder der Dichter oder der Meister der Töne das Außerordentliche bieten, nimmt nur deu Eindruck mit fort, daß etwas Großes an seinen Geist herangetreten sei.