Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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Wirkung gefestigt und gekräftigl werden. Denn wenn alle Mittel ihren Einfluß auf das Menschenherz verlieren und der Seele Pforten jeder Warnung sich verschließe!,, der treuen Eltern Bild, das uns auch im Tode noch umschwebt, erweist sich stets als einflußkrästig und ermangelt nicht des Eindrucks. Ein ansprechendes und liebliches Gemälde bietet der Midrasch, wenn er uns erzählt, daß neben der Bnndcsladc in der Wüste die Gebeine Josephs hcrgingen, die Mose dem geleisteten Schwure gemäß aus Egypten mitgenommen, damit sic Israel an seine Ahnen stets erinnern sollten. Auch vor Eurem Geiste, meine Lieben, steht jetzt wohl neben der Lade Gottes die Todtenlade Eurer Eltern und Eurer liebenden Angehörigen und erläßt an Euch die stille Mahnung, nach der Eltern Weise Gott zu dienen und nicht von ihrem Gott zu lassen. Euer Blick ist in dieser Stunde einem Prophetenblicke gleich und Ihr schaut in's ferne Jenseits. Hoch ansgerichtet ist der Gottesthron, ihn umstehen seine Engelschaarcn und an seinem Glanze laben sich, die Eurer Herzen Kleinod waren. O, wie wonnereich und seelenvoll schaut Ihr Blick ans Euch hernieder! Wie breiten wiederum sich ihre Hände über Eure Häupter aus, um, wie einst auf Erden, den Segen des Himmels über Euch herabznslehen, und in ihrem Blicke spiegelt sich die Liebe wieder, die wie ein Lebensborn Euch einst erquickte und belebte. Und Euer Herz — es weint ob des einst erlittenen Verlustes und empfindet immer wieder jenen Trennungsschmerz. Heiße, inbrünstige Sehnsucht ersaßt nach denen Eure Seele, die einst Euer Lebensglück ausmachten. Nur noch einen Blick vom theuren Mutteräuge möchtet ihr erhaschen, nur noch ein Liebeswort aus des Vaters Mund vernehmen, nur noch einmal jenes cngelreine Wesen schauen, das die Freude Eures Alters werden sollte und das, bevor die Lebensknospe sich entfaltet, der kalten Erde übergeben ward. Aber soll denn Euer Sehnen ewig ungestillt verbleiben, giebt denn nie ein gütiges Geschick zurück, was nach dem