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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 15 (sequence 27)
Language
German
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15 Kindern Freuden erleben wollen. Sind denn unsere Kinder nur Fleisch von unserem Fleische und nicht auch Geist von unserem Geiste? Können Eltern Befriedigung empfinden bei dem Gedanken, daß ihre Nachkommen dereinst einem fremden Kreise angehören und jede Erinnerung an ihre Abstammung aus ihrem Gedächtnisse getilgt haben werden? Nein, meine Theuren, solche Elterliebe ist trotz der scheinbaren Selbstlosigkeit, mit der sie sich umgiebt, eine falsche und niedrige: sie opfert die Seele, um das Fleisch zu reiten. O wie ganz anders bethätigte sich einst in Israel die Liebe de Eltern zu ihren Kindern! Abraham will eigenhändig seinen Sohn, den einzigen, den er liebt, dahingeben, um seinem Gotte den Gehorsam nicht zu verweigern, llnd was bei dem Stammvater durch die Gnade Gottes nur eine Willenskundgebung geblieben, das haben seine Nachkommen in leidvollen Zeiten tausendfach vollzogen. Sie liebten Adonai, den Eirigeinzigen, mehr als ihre Kinder, oder besser: sie tonnten den Gedanken nicht ertragen, sich von den Lieblingen ihrer Seele durch eine unüberbrückbare Kluft getrennt zu sehen. Wohlan, noch ist diese wahre Liebe aus unserer Mitte nicht geschwunden, jene Liebe zu den Kindern, die in der Liebe zu Gott ihre starken Wiirzeln hat, und die bei! Nachkommen die verheißungsvolle Zukunft nicht abschneiden will. Wir glauben uns nicht zu täuschen mit der Meinung, daß die Folgen der religiösen Gleichgültigkeit in immer weiteren Kreistn schmerzlich empfunden werden Es mehren sich die Anzeichen, daß die Liebe zu dem heiligen Erbgut der Väter in ihrer alten Kraft und Frische wieder erwachet und sich an schickt, die Schäden der jüngsten Zeit zu heilen. Immer zahlreicher werden die Veranstaltungen zur Kräftigung des jüngeren Geschlechtes in Gottesfurcht uud in der Liebe zu den Heiligthüniern der Vorfahren, iu immer weiteren Kreisel! erwacht der Trieb nach Erforschurlg unserer großen Vergangenheit, — und sehen wir an unserem Feste, ivie die

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