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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 136

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 136 (sequence 142)
Language
German
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136 ־ V י schier unübersehbaren Fülle von Schätzen und Kostbarkeiten, die aufgespeichert wurden in den Tagen Salomo's, nicht meinen sollen, daß zum Mindesten doch die eine oder die andere all dieser Kostbarkeiten als Zeuge dieser entschwundenen Pracht und Herrlichkeit für die Nachwelt gerettet worden sei, daß noch irgend ein sichtbares Erinnerungszeichen an jene glücklichen und glanzvollen Tage sich befinden müßte in irgend eines Menschen Hand? Allein verschwunden ist jede Spur dieser kostbaren Erdengüter, ihre Eigenthümer konnten sie nicht erretten und nicht bewahren im Sturme, im Drange, im Wechsel der Zeiten. Und fast wäre es Israel in beit zahllosen Verfolgungen, die es zu erdulden hatte, in gleicher Weise ergangen, daß es spurlos dahingeschwundeu wäre, wie die irdischen Schätze, die es einst besaß, aber Israel war gesegnet von dem Herrn durch ein anderes höheres, himmlisches Gut, das beschützte seinen Eigenthümer, es war die Gottes lehre; diese gereichte ihm zum Schirm und zum Schutze, sic bewahrte ihn vor dem Stumpfsinn des Geistes und dem Stumpfsinn des Herzens in den Tagen der schwersten Bedrängniß. Denn in Noth, Kummer und Drangsal — das lehrt die tausendfältige Erfahrung des Lebens — erfährt oft das ganze Wesen des Menschen eine tiefgehende Wandlung, cs ändert sich oft zur Unkenntlichkeit. Gleich der Pflanze, der Lust und Licht und Wärme und Feuchtigkeit fehlen, welkt und verkümmert oft des Menschen Geist und Herz in den drückenden Verhältnissen des Lebens dahin. Oft schien es, als ob Israel nahe daran sei, von einem solchen Schicksal ereilt zu werden, aber es bewährte sich da unserer Weisen Wort: ״ התורה משמרת בעליהDie Thora beschützt ihren Eigenthümer", die erhabene und erhebende Lehre des Herrn bewahrte die Söhne des Judenthums vor innerem Verfall, sie hielt die Kräfte des Geistes in beständiger Bewegung und Regsamkeit, zum lindernden Balsam trwrd sie für das verwundete Herz, daß es es sich stets von Neuem stärkte im Vertrauen aus Gottes helfende Macht und im Glauben an den endlichen Sieg des Guten.

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