Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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113 andere, die ist arm und öd': denn der Nachtfrost, der grause Würger ist über die Felder gestreift, und hat die Bewohner der einen Wiese, die sein vorsichtig sich noch nicht aus der dunklen Erde heransgewagt hatteil, nicht treffen können, die Insassen der andern aber, die allzu früh zum Lichte getreten waren, auch allzu früh getroffen mit tötlichem Hauche; zu dem ist die Schener des Landinanns leer, die Rast des Winters hat seinen Borrath aufgezehrt; karg und knapp wird ihm selbst das tägliche Brod, ein Brod der Sorge; uitb was wartet sein draußen ans der blühenden Flirr? wird sie ihre Frucht reisen ohne schwere Arbeit, ohne bitteres Mühen? Da hätten wir in gewissem Sinne auch am Frühling die Symbole des heutigen Festes, die jeder Israelit riach der Lehre des Talmuds heute erwägen soll, Peßach, Mazzoh und Maror; und dennoch ist der Frühling der allbeglückende, der allerquickcnde. Denn in seiner Armuth und Schönheit ist er so recht ein Abbild jener idealen Güter, die wir am Passa feiern und nach denen die edlen Seelen voll Sehnsucht streben. Der Frühling bringt Genüsse, aber nur für diejcnigen, die auch die Blüthen genießen können, und nicht einzig die Frucht begehren; der Lenz, seine Zeichen sind nicht nur prangender Blüthenschmuck, heitere Himmelsbläue lind sanften Windes Wehen, seine Zeichen sind auch die leere Schener und harte Arbeit lind nicht selten eine Flur, die lvelk geworden, bevor sie zu blühen begonnen. Das soll uns künden: Nur wen keine Entsagung, kein Verlust schreckt, lver jede Arbeit auf sich nimmt, dem blüht der Geistesfrühling, dem blühen die Ideale. ״An deinem Freiheits-, an deinem Frühlingsfeste muß Mazzoh das Brod des Elends, und Maror bitteres Lraut auf deinem Tische sein"; denn auch der Frühling, denn auch jedes ideale Gut ist von Mazzoh umrankt, wie um die Rose die Dornen wachsen. Freude am Frühling und Freude am Ideal, sie sind fast identisch und es hat denselben Ursprung, daß in unfern Tagen, wo das Vergnügen an sinniger Natnrbetrachtnng so sehr abgenommen hat, auch das Ideal in seiner Reinheit und Weihe, die Uebung 8