Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9616701-9617735-9617736--1799-9617843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 103 — in unserem Herzen erwachen der Glaube an die Ewigkeit der Lehre: ״Gütig ist der Herr gegen alle und sein Erbarmen erstreckt sich auf alle seiner Geschöpfe". Der Frühling der Natur ist der Frühling unserer Geschichte. ״Ein Tag verkündets dem andern, eine Nacht lehrt es der andern", dieselbe Lehre, welche in Gottes, wahrem, unvergänglichen Zeugnis; niederlegt ist. Natur und Geschichte, Offenbarung und Philosophie alle sagen uns dasselbe: wenn es Abend ist, dann soll es hell werden. Unsere alten Gebete variiren das Thema von dem ״Peßach Aegyptens" und dem ״Peßach der Zukunft", denn die Erlösung ist keine mit einem Act abgeschlossene Thatfache, ebenso wenig, wie ein Frühling der einzige Weltenfrühling ist, sondern das Zeugnis;, der immer der Frühling wiederkehrt. Auch die Erlösung aus der ägyptischen Knechtschaft ist uns nicht bloß eine Thalsache aus der Vergangenheit unseres Volkes, sondern ein Symbol des göttlichen Waltens in der Weltgeschichte, daß, wenn es Abend ist, es Helle werden soll. ״Mächtige sind gegen mich aufgestanden und halten Gott sich nicht vor Augen, Selah: aber Gott hilft mir, der Herr ist mit denen, die stützen meine Seele." Es ist vom neuen immer wahr, tvas David in seiner Noth in der Wüste Siph betete (Ps. 54). Da kommen die Mächtigen anderer Religionen, die in Purpur gekleidet sind, die über Millionen verfügen und als Herrn über Millionen die kühnsten Befehle ertheilen, obwohl sie sich als geknechtet, als unterdrückt und ihrer Rechte beraubt ausgeben, sie kommen und verlangen zu ihrem Schutz, daß man Israel rechtlos mache. Da kommen die kleineren Herrn, welche selber in bcn Winkel kriechen, wenn eine mächtige Faust ihnen droht, aber desto muthiger sind, wenn ihr Bändiger ihnen den Rücken gekehrt hat, und sic verlangen, daß man das natürlichste Menschenrecht, das Streben nach geistiger Bildung, die Theilnahme an dem Wettbewerbe der Geister uns versage, sie fühlen sich beleidigt, wenn unsere Kinder neben den ihren auf derselben Bank sitzen und lernen sollen, wie die