Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
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XVI. Gme Ueßachbetracht««g am Vorabende des Passah-Festes 5650. von Rabbiner Dr. S. Deutsch. ״wenn es Abend werden soll, wird es Licht werden." (Secharjah \7*>׳.) Bei der Geschichte Josephs, bemerkt der Midrasch zu den Worten (1. Mos. 41,1) ״es war am Ende von zwei Jahren". Alles hat ein Ende, denn es steht geschrieben ״ein Ende setzt er der Finsterniß". (Job. 28,3.) Dieses schlichte Wort ״alles hat ein Ende", ist ein Eckstein in der jüdischen Religionsphilosophie. Unsere Religions- Philosophie betrachtet die Welt als ein Geschenk aus Gottes gütiger Vaterhand, darum nehmen wir auch das Böse gerne an, denn in ihm erblicken wir die Quelle des künftigen Heils. Diesem Gedanken giebt auch unser Peßachfest Ausdruck. ״Gepriesen sei er, rufen wir am Sederabend, der seine Zusicherung hält, denn Gott der Herr berechnete das Ziel seines Thuns;" er hat die Knechtschaft über uns verhängt, und die Freiheit uns gegeben, wie die Zeit gekommen war. Wohl hatten sie gemurrt, als sie sahen, daß des neuen Pharao Herz unzugänglich blieb den Befehlen Gottes, wohl glaubten die Meisten die Knechtschaft müsse eine ewige sein, weil sie vier Jahrhunderte gedauert hatte, aber — zur Abendzeit wurde es Licht. Unser Peßachfest fällt in die Frühlingszeit. Es ist das Fest im Monate des Knospens. Die schlummernden Triebe erwachen mit einem Male, das frische Grün sproßt aus dem Boden, als wäre es nie anders gewesen; mit den lieblichsten Blumen kleidet sich die Au, ״es triefen die Fluren der Wüste und mit Jubel gürten sich die Hügel. Da muß