Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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87 angenehm ausgcfüllt, Bilder, schön und vergänglich wie der Regenbogen, zogen durch unsere Seele, wie die Myrthe lieblich, aber ohne Frucht. Jedoch es fehlten auch nicht die Tage^^er^Traner, wo das Haupt wie die Weide sich 51t Erden senkte und dort die thenren verlorenen Schütze suchte; aber sie alle gehören zu einem Bunde und dieser Bund ist erst das Menschendasein. Die Religion wäre eine schlechte Schule fürs Leben, wenn sie nur die Neujahrs- und Versöhnungstage zu Lehrineistern verordnet; unser Dasein erhielteeine zu ernste Färbung, wenn es nur von den Erwägungen, die diesen Tagen gemäß sind, durchzogen wäre; wohl sind auch sie Feste, aber ihr Gepräge ist zu ernst, als daß sie der schlichten Freude am Leben, "der harmlosen Lust an den Gittern der Erde einen breiten Raum gewährten. Da schickt sie lins Sukkoth als neuen Lehrmeister, als Ergänzung und Fortsetzung der Wahrheiten, die wir in der ersten Hälfte des Tischri vernommen haben, und erst wenn wir auch sie in unser Herz nehmen, wenn wir, was Vielen oft noch schwerer wird als Buße, es verstehen lernen uns vor Gott zu freuenF"da1m haben wir die volle. Ernte, die wir von den Gefilden der Religion in die Scheuer unserer Seele tragen können. Gieb uns, 0 Gott, Deine Leitung, wenn wir auf den steilen Pfaden erhabener Betrachtung, wenn wir auf den blumigen Wegen der Freude wandeln, mögen wir nie in einseitiger Verkennung der Lebenswerthe uns abwenden von der Erde und ihrer Freude, noch ganz untergehen in ihren Genüssen: unser Geist fei offen für die Offenbarung des Himmels, aber unser Auge sei auch geöffnet für die Schönheit der Erde, die Du in Deiner erhabenen Weisheit so herrlich ansgeschmückt hast; wie Du in der Natur neben dem üppigen Frnchtbaumc die zu Boden gebeugte Weide gesetzt hast, so gabst Du Lust und Trauer, ׳daß sie beide unsere Seele erziehen und bilden. Hilf uns,. daß wir ^unseres Daseins recht froh werden können, Nimm den Kranken das Joch der Schmerzen,