Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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81 die Herzens- und Gemüthsbildung im Rückgang begriffen ist, wir beklagen es, daß unserer Zeit abhanden kommt jene gesunde Lebeusanschauung, die in Gott, dem Lenker aller Geschicke, den Spender des Guten erblickt; wir beklagen es, daß uns abhanden kommt und abhanden gekommen ist jene Lebensanschauung unserer alten Weisen, die in den Worten N. Akiba's liegt (Aboth 3,15): ״Durch Gottes Gnade wird die Welt gerichtet/ jene Lebensanschauung, die im äußersten Unglück den Frommen tröstend sagte ״was Gott thut, ist wohlgcthan." Der tiese Schmerz, der uns bei Betrachtung dieser Anzeichen der Gottesentsreindung faßt, wird aber auf der andern Seite gemindert, wenn wir cinfehen, wie die Weltrcgicrung Gottes doch wieder sichtbar ist zum Wohle der Menschheit. Wir haben im letzten Jahre säst in allen Ländern der Erde einen schweren Kampf zwischen Armuth und Neichthum entbrennen sehen. Drohend traten die Massen der Besitzlosen dem Begüterten gegenüber; wenig fehlte und der Kampf wäre zu einem gefährlichen Bürgerkriege entartet. Wir zitterten vor den Folgen dieses Kampfes, der unsägliches Elend herauf beschworen, der allen Erwerb Hütte hemmen, der die Früchte alles Erwerbssleißes Hütte vernichten müssen. Es ist besser gekommen, als wir erwarteten. ״Der Herr hat dem Sturm Schweigen geboten und die wilden Wogen beruhigten sich" (Ps. 107,29). Und daran haben wir erkannt den Fortschritt der wahren Lehre Gottes, denn diesmal waren es die Mächtigen, welche für die Schwachen Partei ergriffen. Diesmal war die Theilnahme aller rechtschaffenen Menschen, die Theilnahme auch der Besitzenden denen gesichert, welche über den harten Druck der Verhältnisse, oder über die Habsucht der Mächtigen zu klagen hatten. Mit Dank im Herzen erkennen wir, daß die Welt näher gerückt ist dem Glauben an die von Gott ihr gesetzte Aufgabe ״es soll kein Armer unter dir sein, in der Mitte deiner Brüder". (Deut. 15,4) Man hat einsehen gelernt, daß es eine Macht $