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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 71 (sequence 77)
Language
German
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71 werde, ob die Stadt erhalten, oder vernichtet werden würde. Im Freien sitzend, schier! die Sonne drückend ans Jona's Haupt, und er war des Kampfes und seines Lebens müde. Ta ließ Gott einen Wunderbaum wachsen, unter dessen schattigem Laubdachc Jona vor den Strahlen der Sonne geschützt war. In der Nacht aber nagte ein Wurm an der Wurzel des Baums, so daß er verdorrte, und Jona war andern Tags wieder des Schutzes beraubt und den heißen Strahlen der Sonne prcisgegeben. Unter diesem Mißbehagen litt Jona gar sehr, und er wünschte sich wieder den Tod. Gott aber verwies ihm solche nnfrommen Wünsche und hielt ihm seine — Gottes Geduld mit Ninive und vielen anderen unwissenden und ungebildeten Menschen entgegen, die nicht zu unterscheiden wissen zwischen rechts oder links. Diese alle erhalte Gott in seiner Gnade und Nachsicht und harre des Endes, bis sie sich wahrhaft und dauernd gebessert haben würden. Um so mehr — da mit der Vernichtung der Erde um der Bosheit der Menschen willen auch die Vernichtung der großen Thierwelt verbunden sei, und auch auf diese erstrecke sich Gottes Fürsorge und Liebe, der alle seine Geschöpfe versorge und zu erhalten suche. Dies die Erzählung; sie hat nicht nur den Anstrich des Wunderbaren und Unbegreiflichen, sondern auch des Unmöglichen und bedarf daher der Erklärung für Groß und Klein. Sie galt schon der Vorzeit als von tiefer Bedeutnng, denn sie ist zur Vorlesung am heiligsten Festtage bestimmt, und diese wird nur den Weisesten und Würdigsten in der Gemeinde übertragen, zun! Belveise, daß das Vcrständniß des Buchs nicht Allen offen liegt. Die Aufforderung, Buße zu thnn, welche das Prophetenstück enthält und es zum Vortrag a!n Jon! Kippur geeignet macht, kommt zwar nur den Sittenreinen und Würdigen zu, um von Erfolg zu sein; indeß liegt darin allein wohl nicht der Grund für die Aus- Wahl gerade dieser Prophetcn-Erzählnng, denn dafür Hütten sich einfachere und eindringlichere finden lassen.

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