Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616701-9617735-9617736--1763-9617807- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 67 bedürftigen Gottesverkünder Schatten und Erfrischung. Ein Wurm kam und tödtete die letzte Freude dem Propheten. Was würde aus den Blüthen der Empfindung und Gedanken, aus den Blumen des Herzens und Gechtes werden, wenn sie, die ohnedies vergänglich sind, wie der Garten des Menschendaseins, der sie hervorgebracht hatte, vom Wurmfraß uuerbittlicher, dem Schönen, Edlen und Guten völlig unzugänglicher Bcurtheilung vernichtet würden? Nicht Fehlern nachzuspüren, Mängel zu eutdeckeu und dadurch sie groß zu ziehen, ist die Gerechtigkeit da, sondern durch Beseitigung vorhandener Uebelstände das wahre Lebensgut des Einzelnen und der Gesammthcit zu erhalten, unvermeidlichen Schatten der Begebenheiten das Licht unleugbarer Vorzüge entgegenzuhalten, um auf dem Wege richtiger Beurtheilung zu einem Ergebnisse zu gelangen, das den Schwachen Schonung, den Starken Stütze bietet, dort bessernd, hier veredelnd wirkt: das ist gottgefällige, menschenwürdige Gerechtigkeit (צדקה). Hatte der Prophet Jona gefunden, daß Ninive für die Verurtheilung reif gewesen, mußte er es auch würdigen, daß es der göttlichen Begnadigung werth geworden war. M. th. A.! Das ist die Krankheit unseres Gemüthes, daß wir ob der Mängel, die unvermeidlich sind, stets den Genuß und das Behagen mit den uns zur Verfügung stehenden Lebensgüteru uns verkümmern. Die Errungenschaften unserer Arbeit vernichtet oft der Wurmfraß einer rücksichtslosen Selbstkritik. Wir sind oft unsäglich verstimnit, bis in den Tod betrübt, daß das im Leben uns abhanden gekommen, dessen Vorhandensein nicht unser Verdienst, sondern Gnade Gottes war. Welkt die Blume der Erdenfrcuden אשר לא עמלת בו ולא גדלתו (Jona 4,10), die ohne unser Hinzuthun uns erblüht war, ״unsere Ruhe ist hin, unser Herz ist schwer". M. th. A.! Unser Heil und unsere Heilung kann nur die Gerechtigkeit gegen Gott und gegen uns selbst sein, welche im reinen und wahren Glauben ihren Ursprung hat, den Abraham gelehrt hat, von dem es heißt: והאמין בה׳ ויחשבה לו צדקה (Genes. 15,6): ״Er glaubte an Gott, und dieser i>*