Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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54 10b); indem er den König Salomo die Worte seines königlichen Vaters David reden läßt: פור נתץ לאביונים צדקתו עמדת לעד קרנו תרום בכבוד (Psalm 112,9). ״Der reich׳ lich ausgestreut die Gaben der Milde unter den Dürftigen, ist wahrhaft tugendhaft. Seine Wohlthat wird ewig bestehen, seine Hoheit in Herrlichkeit erstrahlen." Der Weise R'Aba aber ertheilt an derselben Stelle mit geistigem Tiefblick in die Verhältnisse eine, nach unserem Dafürhalten, zutreffendere Antwort, die wir bald mittheilen wollen. Wie die Reue keinen Zweck hat, wenn sie nicht ihre tiefe Wurzel in der Gemeinschaft des Menschen mit seinem Gotte findet, der zu uns spricht: ״Kehret zu mir zurück, und ich will zu euch wiederkehrenwie das Gebet keine Wirkung hat, wenn die Seele nicht ins Wort sich hüllet, auf des Liedes Schwingen nicht zum Himmel sich erhebet: ist so die Wohlthätigkeit ohne moralische Wirkung, wenn sie nicht aus dem Bedürfnisse des Herzens, nicht vom Gesichtspunkte des Göttlichen ausgeübt ist. Du bist reich, m. Br., und in der glücklichen Lage, die Gaben auszustreuen. Hast du wohl jemals dich gefragt, wie dem Empfänger beim Empfang der Gabe zu Muthe ist. hast du wohl das Hochgefühl, dich geehrt zu fühlen, daß du giebst, anstatt den zu beschämen, der in der unglücklichen Lage ist, nehmen zu müssen? Hast du wohl daran gedacht, daß dich und den Armen ein himmlischer Vater geschaffen, e i n Band brüderlicher Liebe den Reichen und den Armen umschlingen müsse, du weit seliger wirst, wenn du giebst, als Menschen erfreut werden können durch die zarteste Gabe von der milden Hand des Wohlthäters? Weißt du wohl, m. Br., daß in der Wechselseiligkeit von Geben und Empfangen ein bedeutsamer Zug des Schicksals liegt, jene gesellschaftliche Ordnung bedingt ist, welche den Herzensaustausch der Menschen herbeiführt, hier die Weihe irdischen Genießens, dort die Seligkeit himmlischen Ge- Winnens, hier die sittlich veredelnde Dankbarkeit, dort die stets beglückende Liebe? Der Himmel ist der Quell und der Lohn der irdischen Gabe hochfühliger Herzen. — Gott