Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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34 meidet, der kann in der That leicht sich in die Täuschung hineinleben, er sei etwas ganz Anderes als die große Menge, zu der er nie in Beziehung tritt, mit der er nie in einer Reihe steht; selbst die Versammlungen, welche dnrch die politische Bewegung veranlaßt werden, können hierin nicht viel ändern; denn es wird stets eine große Anzahl Menschen geben, die bei aller Theilnahme für die Verwaltung des Staates, sich von dergleichen Vereinigungen fern Hallen. In dem gewöhnlichen gesellschaftlichen Verkehr hört der Mensch zumeist nur das Echo seiner selbst, sieht nur er sein eigenes Spiegelbild; das gilt von den Hohen wie von den Niedrigen; der gewöhnliche Mann wird nie dort sein Vergnügen und Be- Hagen stnden, wo die bevorzugten Stände sich ganz gut unterhalten; es sind gleichsam sociale Strömungen, die mit einander parallel laufen und nie Zusammentreffen. Aber wer sieht nicht ein, daß diese Schranke auch eine gewisse Beschränktheit erzeugen muß. Es ist nicht gut, wenn die Stände sich so schroff scheiden, am allerwenigsten in unserer Zeit, wo die Genußsucht der Vornehmern und die Begehrlichkeit der Geringem so gewaltig gestiegen sind. Das Gotteshaus wirkt schon einfach als NOM בית, oder, um den fremdlündlichen Ausdruck zu brauchen, als Synagoge, als Versammlungsort erziehend auf alle diejenigen, die sich in ihm vereinigen. ״Am zehnten Tage des siebenten Monats das ist ein Tagder Versöhnungen; eine heilige Volksberufung soll es Euch sein." Das ist der erste Zweck jedes Festes in Israel, daß an ihm in heiliger Stimmung sich das Volk zusammen stnde. Ist es nöthig, daß alle Mitglieder einer Gemeinde dieselben Anschauungen über Gott, über religiöses Leben haben? das kann nicht nöthig sein, denn es ist nicht möglich; wo nicht ein eiserner Wille jede selbstständige Ueberzeugung ertödtet, wo die Vernunft frei sich regen darf, da wird eine solche Uebereinstimmung nicht zu erreichen sein; der eine wird z. B. weil ihm der erhabene Klang der biblischen Sprache vertrauter ist, lieber hebräisch beten, der andere wird die Empfindung, die sein Herz bewegt, besser und darum lieber in der Mutter-