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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 26 (sequence 32)
Language
German
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26 und reumüthig bekennst: ich habe gesündigt. Dort oben wartet ein gütiger Gott aus dieses Wort eines nach Versöhnung sich sehnenden Herzens; kein Vater will seinem Kinde zürnen, nur ein harter Zwang ist es, der ihm die Miene verdüstert und die Arme bindet, die sich so gern öffnen möchten, um den reuigen Sohn zu empfangen; die Eltern sind beglückt, die Liebe erwiedern zu dürsen, die im Gemüthe des so lange dem Elternhaus entsremdeten Kindes wieder aufkeimt. So freudig spricht die Gottheit: ich verzeihe, wenn die verlorenen Kinder sich wicderfinden und ihre Schuld bekennen. Denn dies Bekenntniß wird dem stolzen Menschenhcrzen nicht leicht; auch wenn wir es cinsehen, daß die Thal nicht gut war, möchten wir uns gar zu gerne als Opfer der Verhältnisse darstellen, möchten wir die häßliche That als etwas Fremdes, nicht zu uns Gehöriges bezeichnen, bei der wir als Werkzeug nicht als Urheber betheiligt sind; wir möchten sagen: ich bin gesündigt worden, ich bin zur Schuld gestoßen worden, wir wollen die Verantwortlichkeit für unsere eigene Thatcn nicht übernehmen, wir suchen, sei es nach einem Wrenschen, sei es nach einer unbekannten Schicksalsmacht, um ihnen unsere Schuld aufzubürden. Das ist ein Uebel, das von Alters den Menschen anhaftet, das dem Geschlecht der Sterblichen, wie cs scheint, eingewurzelt ist, da schon der erste Mensch, als er von der verbotenen Frucht gekostet hatte, sich vor Gott mit den Worten vertheidigt hat: ״das Weib, das du mir gegeben hast, sie reichte mir die Frucht und ich aß". Wie sophistisch zeigt sich hier schon im ersten Menschen die Vernunft, wenn cs gilt, eine Schuld zu beschönigen; denn im Grunde schiebt Adam die Verantwortung von sich weg aus die Gottheit. Adam vergißt, daß er früher vereinsamt gewesen, daß ihm Gott als höchsten Segen die Gefährtin gewährt hatte. Nun bezeichnet Adam als die Ursache des llngehorsams nicht nur die Genossin, sondern in versteffter Weise denjenigen, der die Genossin ihm zugesellt hatte.

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