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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 24 (sequence 30)
Language
German
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24 man die erhabenen Lehren unseres Glaubens kündet. Ja, hätten wir Satzungen der Unduldsamkeit, der Härte gegen den Fremden, so wäre es eine Art grausamer Gnade gewesen, den Fremden mit zu veranlassen, daß er diese lieblosen Gebote höre. Aber dieses Gesetz, das uns heißt, dem Feinde aufzuhelfen, wenn er in Noth ist, das den Fremdling schlechtweg ״Deinen Fremdling" nennt, weil der Israelit einstehen mußte für den Fremden wie für seinen Gast, das laut verkündet, den Fremden zu lieben, warum sollte es der nicht anhören, der, einem andern Stamme angehörig, auf dem gastlichen Boden des heiligen Landes weilte. Erst durch den Fremden wurde die Volksversammlung vollzählig, wurde sie ein Vorzeichen jener Menschenverbrüderung, die das Endziel unseres religiösen Strebens ist. Auch uns hat die hohe Botschaft dieses heiligen Tags des Gerichts hier versammelt; Männer, Frauen, Kinder haben sich zusammcngefunden, um sich von des Schosars weltfremden Klängen erregen zu lassen und das neue Jahr mit guten Entschlüssen zu weihen. O sei Du, o Gott, uns Allen gegenwärtig mit Deiner Gnade und Deinem Erbarmen. Du bist der Gott, der die Gefesselten löset; o nimm einem Jeden, der zu Dir ob seiner Fesseln klaget, den Druck, unter dem er seufzt; wer kann Dich preisen, wer Deine Größe erkennen, wenn er im Joche lebt? O brich das Joch der Kranken, der Dürftigen, der durch Trauer und Sorge Ermüdeten! Bon Hoffnung gehoben, und wieder von Bangen bedrückt und gequält, blickt so Mancher in's neue Jahr: der Kranke erhofft Genesung, der Arme erbittet Arbeit, der Trauernde schauet zu Dir mit müdem, irrendem Blicke und weiß nicht, was er erbitten soll. O hilf und heile uns! Du bist der Gott, der den Blinden die Augen öffnet. Viele unter uns sind blind für das Licht, das Du am Sinai entzündet hast; o öffne ihre Augen, daß sie Dich erkennen, daß sic Dein Walten auf Erden sehen׳ ״die Pfade meines Gottes, meines heiligen Königs". Du

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