Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 248)
- Language
- German
- Belongs to
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mit Eifer, mit Scharfsinn, mit Beredtsamkeit die Unschuld irgend eines Angeklagten zu erweisen trachtete, so daß Jeder einsah, wie die Vertheidigung ihm eine Sache des Herzens war. Aber so groß anch das Arbeitsgebiet war, welches sein Berus ihm bot, in seinem Geiste war auch noch für andere öffentliche Interessen genügend Raum, und besonders die jüdische Gemeinde verliert in ihm einen Vorsteher, der ihr schon durch seine Rechtserkenntniß treffliche Dienste geleistet hat. Auch in dieser Körperschaft bewährte er die Aronstugenden. er war ein Mann des Friedens, der Versöhnlichkeit, der Ver- Mittelung. Die Starrheit der Gegensätze, die sich so oft im religiösen Leben der Gegenwart geltend macht, wich vor seiner milden Rede; er schützte, wie es sich gebührt, auch die Minderheit; denn er war nur in seltenen Fällen ein Freund jener Theorie, welche der Talmud mit den Worten ausdrückt: ״ .יקובהדין את ההרDas Recht muß Berge durchbohren." Er war ein treuer Anhänger des jüdischen Glaubens, und mancher der Freunde, die jetzt um diese Bahre stehen, erinnert sich gerührt des begeisterten Gelöbnisses, das er vor wenigen Monden bei der Geburt seines Kindes aussprach, den Knaben so zu erziehen, daß derselbe dereinst als Barmizwah mit klarem Bewußtsein und mit voller Freudigkeit sich zum Glauben der Väter bekenne. Ach, daß das Schicksal die Erfüllung dieses Gelübdes so jäh vereitelt hat. Und wenn schon die Fremden so viel an ihm verloren haben, braucht man es da noch zu sagen, was er seiner Gattin, was er seiner Mutter und seinen Geschwistern gewesen ist. Sein Haus war eine Stätte des Friedens, der Eintracht, des innigsten Familienglücks; die Sorgfalt, mit der er Weib und Kind behütet hat, kann nicht übertroffen werden. Seiner Mutter aber erwies er Ehrfurcht und Liebe und achtsam hielt er jede Sorge fern von ihrem Haupte; seinen Geschwistern war er ein zärtlicher, aufopfernder Bruder, für die er freudig den Ertrag seiner Mühen dahingab, denen er mit Rath und That, mit Herz und Hand ergeben war. Und nun fehlt der Gattin der Führer, nun fehlt der Mutter die Stütze,