Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 242)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616701-9617473-9617474--1663-9617711- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 229 uarchen? wie geachtet steht es jetzt da mitten unter den machligsten Staaten. Und wodurch wurde dieses große Ziel erreicht? Zunächst durch die hohen Tugenden, die den Kaiser schmücken. Volkesstimme, heißt es, ist Gottesstimme und das Volk hat ihn den ״ritterlichen" Monarchen genannt. Der Leitstern unseres Monarchen war das Wort des Propheten Hosea (12,7) : ^,Liebe und Recht wahre und hoffe stets auf Deinen Gott." Jung an Jahren bestieg der Kaiser den Thron eines großen Meiches. Er beherrschte Millionen Unterthanen; doch sein Sinn wurde nicht stolz und hoffürtig, er blieb Menschenfreundlich, leutselig, wohlwollend, und alle, die das Glück hatten und noch haben, sich ihm zu nahen, waren und sind begeistert ״ קסם על שפתי מלךvon dem Zauber, der auf den Lippen dieses Monarchen ruht" (Spr. 16,10), ״Anmuth ist ausgegossen über seine Lippen" (Ps. 45,3); — Und wenn schwere Stunden über ihn kamen, und Gott in seiner Gnade legte ihm manche schwere Prüfung auf, da blieb er stark und fest im Vertrauen auf Gott und auf sein Volk," das ihn wie einen Vater liebte. Trotz aller Anfeindungen und Anfechtungen blieb sein Bogen, wie dieß der Patriarch Jakob seinem Sohne Josef nachrühmt (Genesis 49,24) fest, und Arme und Hände wurden ihm gelenk. Er stellte Oesterreich auf einen neuen Boden, er machte es zum Rechtsstaate und sprach die Gleichberechtigung aller Nationalitäten und Glaubensbekenntniffe vor dem-Gesetze aus. Niemand sollte aus Kosten des Anderen bevorzugt und Niemand zu Gunsten des Anderen zurückgesetzt werden. Und so bewährte sich aufs Neue der Satz ״ מלך במשפט יעמיד ארץDurch Gerechtigkeit richtet ein König ein Land wieder auf" (Spr. 29,4) denn צדק ״ ומשפט מכרן כסאךRecht und Gerechtigkeit sind die festesten und sichersten Stützen eines Thrones" (Ps. 89,15). Die Gerechtigkeit kann aber auch starr und unbeugsam sein und ״das höchste Recht wird zum größten Unrecht". Der Kaiser von Oesterreich ist jedoch auch voll Liebe und Gnade. Wo in dem großen und weiten Reiche das Unglück einkehrt, ein hartes Geschick die Menschen schwer heimsucht.