Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 230)
- Language
- German
- Belongs to
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217 Aber wollte nun der Mann, weil ihm das Niederceißen Freude anacht, sich auch an die festen Bauten wagen, ja wollte er nur auf dem leeren Raum das Aufführen neuer Bauten verbielen, er verdiente eine ernste Zurückweisung. Vielfach stehen sich die Interessen im Lande feindlich gegenüber, aber dem Königthum ziemt es, durch gerechten Richtspruch die feindlichen Interessen zu versöhnen. Die socialen, die wirthschaftlichen Kämpfe stellen dem Königthum die erhabensten Ziele; von -ihm zuvörderst, der unbetheiligten und am ehesten unparleiischen Macht, dürfen die Streitenden einen gerechten Entscheid erwarten, während selbst der Ort, wo die Vertretung des Volkes tagt, oft genug nur einem Kampfplatz der Parleien, aber nicht einer Gerichtshalle gleichet. Zu einem Königsgeschlecht zumal, das sich, wie die Ho- Heuzollern, so mannigfach bewährt hat, dürfen alle Klaffen, alle Provinzen des weiten Reiches, wie zu einem Hort des Rechtes aufschauen, und auch der sociale Streit der Gegenwart in seinen mannigfachen Formen kann am ehesten seine Lösung finden durch ein Königthum, das hoch genug steht, um sich der Armen und Elenden anzunehmen. Groß ist die Noth der Massen, und wenn sie auch häufig einen rohen, stürmischen und ungebührlichen Ausdruck findet, verdient sie darum weniger Beachtung? wie viel kann da eine weise Gesetzgebung helfen. Aber die Gesetzgebung wird schwerlich gerecht sein, wenn sie von den besitzlosen Massen, sie wird nicht gerecht sein, wenn sie von den Besitzenden ausgehl; das Königthum jedoch kann sich als einen Leuchtthurm der Gerechtigkeit erweisen und die moderne Kultur davor schützen, daß sie von dem Abgrund der Anarchie verschlungen werde. So triftige Gründe giebt es für das Gebot des R. Chanina: Bete für das Wohl des Königthums, und wie sehr verstärkt sich die Wucht dieser Gründe, wenn ein Mann das Scepter führt, wie unser Kaiser, der in einem langen Leben sich bewährt hat, der die bequeme Popularität verschmäht hat die sich leicht gewinnen läßt durch Hingebung an die jedesmalige Tagesmeinung, der, ein fester Charakter, das Volk