Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 217)
- Language
- German
- Belongs to
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204 aufs Spiel setzte, er ist die ernsteste Mahnung nicht über die Partei das Vaterland, nicht über die Religion eins der wichligsten Gebote derselben, die Liebe zur Heimath zu vergessen. Jedes Zusammenleben mit Anderen heischt Opfer, da muß der Eigenwillen dem Gesammtwillen sich beugen; es giebt nun einmal im Leben des Staates keinen anderen Gradmesser für das Rechte und Gute, als die Meinung der Mehrheit; nur ziemt es dem Mächtigen, selbst sich Schranken zu setzen, da ein Anderer es nicht vermag. Innerhalb des Staates darf sich die Mehrheit nie als Sieger, die Minderheit nicht als Besiegten fühlen; und giebt es eine bessere Schutzwehr dageges, als die Erweckung des Bewußtseins, daß sie beide zusammen Sieger gewesen sind gegen den äußern Feind? Besonders aber eignet sitz der Siegestag von Sedan zum nationalen Gedenktag in einer Zeit des Streites, weil die erhabene Milde, die edle Schonung, welche unser greiser Herrscher gegen den gefangenen feindlichen Fürsten bewährt hat, ein herrliches Zeugniß des großherzigen Sinnes unseres Kaisers ist. Er, der gegen den Fremden gegen den Feind so Lart und schonend verfuhr, er sollte über Gebühr hart und streng sein gegen die Kinder seines Landes? Wie auch immer die Parteien sich trennen, einig werden sie sein in der Liebe zu dem edlen Fürsten, der ein hochbejahrter Greis hinauszoq in Feindesland, weil er es für Fürstenpflicht hielt beim Heere zu sein in der Zeit der Noth, einig in der Hingebung an das gemeinsame Vaterland. In anderer Stimmung als vor Iahren feiern wir heut den Tag von Sedan. Aber Alles, was in der letzten Zeit unser Volk bewegt hat, hat nur um so deutlicher die Weisheit erkennen lassen, die gerade diesen zum Gedenktag heraushob. Er mahnt uns die Einheit zu erhalten, die in schwerem Kampf ist errungen worden, er mahnt uns zu glauben an den Sieg der Guten, an den Sturz der Argen. Möge der Herr, der in bedrohlicher Zeit unserem Volke beigestanden, der ihm dereinst unter Joch unb Bedrückung den Muth des Hüffens entfacht hat, auch jetzt in den Tagen des Glanzes und der Macht es wahren vor dem schlimmsten Feind,