Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 210)
- Language
- German
- Belongs to
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197 einer Stelle: ״Eine schlichte Sklavin am Schilfmeere, die Zeugin der Erlösung Israels war, hatte eine reinere Gottesschau als die gewaltigsten der Propheten." Aehnlich erging es uns, als diese Botschaft durch die deutschen Gauen rauschte. Wie fest die Neigung zur Heimath in unserem Herzen wurzelt, wie sie gleichsam der Hauch ist, durch den unsere Seele lebt, wie dankbar wir unserem Gotte sein müssen, daß er uns Antheil gewährty hat an dem Ruhm, an der Größe eines herrlichen Landes, das lehrte uns diese Stunde mehr als alle Dichter und Sänger, das empfand der schlichte Bürger in ihr inniger, als selbst ein begeisterter und hochbegabter Mann, dem solche Zeugnisse fehlen. Der Stolz, ein Deutscher zu sein, hat wol in vergangenen Tagen niemals so die Brust selbst des glühendsten Patrioten erhoben, wie sie in diesem Momente auch den einfachsten Mann erhob und beseligte. Wie Vieles traf zusammen um die Siegesfreude zu erhöhen. Wohl hatte dieses letzte Ringen mit dein Fürsten der Feinde, bevor er sich gefangen der Gnade unseres Kaisers preisgab, gar manches Opfer gekostet; aber wer den Verlust verglich mit den Opfern, welche der Kampf vor der nunmehr deutschen Grenzfeste wenige Wochen vorher gefordert hatte, der pries die Gnade des Herrn, daß nicht gar zu viel der wackern Streiter mit ihren! Leben den Erfolg hatten zahlen müssen. Und zudem, wem wäre damals die Kunde von dem Triumph, von der Gefangenschaft des Imperators, nicht zugleich als eine Bürgschaft, ja fast als eine Botschaft eines baldigen Friedens erschienen? Hofften doch sogar die Fürsten und Berather des deutschen Volkes, daß der Herbst noch uns Frieden und Heimkehr als die Frucht des Sieges bringen werde; was Wunder dann, d.iß wir daheim meinten, nun liege der Feind zu Boden und könne zu ernstem Kampfe sich nicht mehr aufrichten. . Das war eine Wonne ohne Trübung, und wie der Himmel sich in jenen Tagen in heiterer Bläue über uns wölbte, so erschien uns auch der Gesichtskreis unseres Vaterlandes weithin rein und heiter; nirgends eine Wolke, nirgends ein Ah-