Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 185)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Volk; aber diesen harten Sinn offenbaren sie auch gegen rnich, und ich verzeihe ihnen; und du der Allgütige solltest es nicht thun?" Und wiederum trat Abraham hervor und erhob Anspruch auf größere Ehre als Mose; denn sagte er, ich habe Wanderer ausgenommen und gespeist, die ich nicht kannte, die mir fremd waren. Aber ob auch Abraham größere Liebe gegen seine Nebenmenschen bekundet hatte als Noa, gegen Mose konnte er nicht bestehen, denn ״Abraham hatte Fremde, Mose sein eigenes Volk gespeist; Abraham hat die Nothleidenden in seinem Hause erwartet, Mose war mit ihnen in die Wüste gezogen". Wie treffend ist doch diese Bemerkung auch für die Gegenwart. Sehen wir nicht viele unserer Glaubensgenoffen sich dazu drängen wohlthätig zu sein — qegen Nichtjuden; aber gegen ihr eigen Volk sind sie hart und spröde; denn was im engen Kreise des eigenen Stammes an guten Werken geleistet wird, das dringt nicht sogleich in die Welt, das bringt nicht so viel Ruhm und Ehre und das fliegende Gerücht trägt das nicht in alle Lande; aber den Nichtjuden Gutes erweisen, o, das hat einen großen und weiten Klang und mehrt das Ansehen; darum wurde es dem Mose höher angerechnet, daß er nur für sein Volk, als dem Abraham, der für die Fremden gesorgt hat. Und zudem Abraham hatte gewartet bis der Leidende ihn aufsuchte; er saß an der Thür und lud den Wanderer zu sich ein; gewiß ehrenwerth, da doch so viele die Thür vor dem Wartenden verschließen und ihn von der Schwelle stoßen; aber edler ist es wol doch, wenn wir die Noth aufsuchen, wenn wir den Schmerz aufspüren, sobald er sich verbirgt, wenn wir wie Mose gleichsam in die Wüste ziehen, zu den Stätten des Elends wallen, um zu Helsen. Da erhob Jsak großen Ansprach und scheinbar mit gutem Recht. Er sagte: ״ich habe, als Gott mich zmn Opfer forderte, meinen Hals ausgestreckt, um den tödlichen Streich geduldig zu empfangen; damals als ich schon ganz aufgegeben hatte die Hoffnung auf diesseitiges Glück und Gedeihen, war es mir, als sähe ich die Gottheit Ln ihrer Macht und Hoheit und wie geblendet wurde mein