Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 161)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9617473-9617474--1582-9617630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 Joch der alten Sünden und der alten Schmerzen weiterträgt» weil er den Kerker gemissermassen von innen verschließt, und-- den nicht zuläßt, der ihu hiuausführen möchte. Dieser Tag. tröstet nach dem Worte des Propheten alle Trauernden; er versöhnt uns mit Gott und unserm Geschicke; er nimmt die Sünde und gewährt die Sühne, er tilgt das Unrecht und bannt die Anklage, er mildert das Leid und schenkt den Tröst e er sagt uns, ob du auch Liebe verloren hast, die du schwermissest, Gottes Liebe ist dir geblieben, die du am schwerste!! vermissen würdest; er führt den Gott, der über den Wolken waltet, in unser armes Herz, da wird es plötzlich hell mb klar, und wie die Wolke in farbigem Lichte glänzt, wenn die Sonne sie bescheint, so strahlt selbst ein trauernd Herz, wenn. Gott ihm leuchtet, wenn diese Sonne ihm nicht untergegangen ist. So laß denn, Allgütiger, das Licht deiner Liebe leuchten, über die Glücklichen und die Verzagten, über die Freudigen und die Traurigen, eine Leuchte bei Tag und bei Nacht. Was uns ar! diesem Tage bewegt, wir können es dir nicht, sagen; und wie gering wäre diese Bewegung unseres Herzens^ könnte unser armselig Wort sie aussprechen. Du bist uns zu eigen, das ist unser Stolz; wir sind dein eigen, das ist unser Trost; gar manchem iit das Dasein düster und trüb; aber wer scharf aufschaut, der sieht die Sterne über den Wolkm; so finster ist kein Schicksal, daß dich nicht schauen könnte^ wer dich redlich sucht. O, daß dieser Tag sich bewähre als Heilsbote den Armen unb den Dürftigen. Wir sind alle arm, denn uns fehlt der Schatz an guten Werken und wem der Vorwurf minder quält, daß er Böses gethan hat, den. drückt die andere Anklage, daß er das Gute versäumt hat. Heile die gebrochenen Herzen, ob nun Leid oder Schuld den. Bruch erzeugt hat. Oeffne die Kerker und sprenge das Joch einem Jeglichen, der Andern dient als dir. Zahllos und in stetem Wechsel wie des Meeres Welleil ist die Noth der Sterblichen. Wie oft, daß wir uufer tiefstes Weh am meisten verdecken, daß wir unsere Wunden unter Blumen bergen; dw allein siehst sie; zu dir rufen wir: hilf uns, daß wir nicht