Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 150)
- Language
- German
- Belongs to
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137 tobte das wilde Blut, das später den Mann gefürchtet machte, Zu dem war er älter als Jfak, und Sarah war bange, daß er das Herrenrecht im Hause an sich reißen würde; eine Mutter, gemartert von der Sorge um das körperliche und geistige Wohl; — und diese Sorge hatte ihren triftigen Grund, und wenn sie diesen mannigfachen Aengsten einen Namen geben wollte, so war es Jsmael. Da trieb sie dieses reinste, dieses berechtigtste aller Gefühle zur Schuld. Nein, dieses Weib hat nicht streng und schadenfroh hingeschaut auf die Dienerin, als diese aus dem Hause zog; sondern in ihren Lügen prägte sich damals sicherlich der schwere Kampf aus zwischen dem Mitleid und der Mutterliebe, auch ihr wurde das Opfer hart, daß sie ihrem Sohne glaubte bringen zu müssen. War sie die einzige Mutter, die um ihr Kind Sünde auf sich lud, oder vielmehr, wo wäre die Mutter, und sei sie auch sonst noch so brav und edel, die vor Ausschreitungen sicher wäre, wenn es das Wohl ihres Kindes gilt. Und bis zu einem gewissen Grade war das Vergehen der Sarah eigentlich die Schuld der gesellschaftlichen Einrichtungen des Orients, dessen Gesetze die Frau entwürdigen und zumal dem Muttergesühle schwere Prüfungen auflegen. Dieser Zwiespalt der Empfindüngen war nur möglich, weil Sarah in dem ihr fremden Weibe und dem ihr fremden Kinde die berechtigten Rivalen ihrer selbst und ihres eigenen Kindes fürchten mußte; es ist die Schande und der Fluch des Orients bis auf den heutigen Tag, daß er sich nicht aufschwingen kann zur sittlichen Erfassung der Ehe, wie sie bei uns als die Säule aller sittlichen, sorialen und staatlichen Ordnung eingeführt ist. Die Ehe eines Mannes mit mehreren Frauen führt nothwendig zur Sklaverei des Weibes und zur Zerrüttung der Familie; als das Indenthum in's Leben trat, mußte es freilich diese Verirrung dulden, wie denn überhaupt jeder Gesetzgeber rechnen muß und Nachsicht haben muß mit den Fehlern und Vorurtheilen des Zeitalters, in dem er lebt. Aber indem die Schrift uns von der Härte der Sarah erzählt, indem sie uns von der Verfolgung Josephs durch seine Brüder, welche einer andern