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Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 131

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 131 (sequence 144)
Language
German
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131 D0r die Söele treten, mahnend, daß er zu Tand und nichtigem Schein das kostbarste Gut verwendet habe, der rette sich vor dieser Anklage in dieses Gotteshaus, der wappne sich mit dem festen Entschluß: die Jahre, die ihm noch von Gott Geschieden sind, treu zu verwalten wie ein gottvertrautes Gut, und ob auch von verlorener Zeit das Wort des Koheleth gilt: ״das ist eine Krümmung, die nicht kann grad gebogen werden, ein Schaden, der nicht kann ersetzt werden," so versöhnt denuoch die Reue, wie mit unserem Gotte, so auch mit uns selbst. Und wer daheim sitzt bang und vereinsamt und den Muth des Höffens verloren hat, ,ותזנח משלום נפשי נשיתי טובה ״daß die Seele schon auf Frieden verzichtet, daß sie schon es vergessen hat, wie Glücklichen zu Muthe ist", und wer aus tausend Wunden blutet und keiner ist, der sie ihm verbindet, angstvoll fragt er, wann diese Nacht wird enden und muß die Antwort hören, daß nie ein voller lichter Morgen ihm leuchten werde, ,*״ ,אתא בורר וגם לילדdaß die Nacht auch bleiben wird, wenn der Tag hervorbricht," אם תבעיון בעיו ״ ,שבו אתיוwenn er beten kann, er wird sich erholen und zu sich kommen." Keinen verwirft Gott für alle Zeiten; wer bekümmert! ist, dessen erbarmt sich der Herr nach der Fülle seiner Gnade.! Ein weiser Mann rühmte sich im Besitz eines Zeichens zu! sein, an dem er erkenne, ob sein Gebet Erhörung finde vor! Gott oder nicht, und dies Zeichen ist sehr einfach: er sagte,! ginge die Bitte ihm glatt von der Zunge, so wäre er dessen! sicher, daß Gott wohlgefällig sei der Rede seines Mundes; j könnte er jedoch nur stockend und zögernd sein Verlangen! vortragen, so würde sein Wunsch nicht erfüllt. Das ist nun j gewiß eine sonderbare Gabe, so am glatten oder stockenden Fluß der Rede zukünftige Dinge zu erkennen, und dennoch scheint es, als habe der Weise nur eine Fähigkeit andeuten wollen, die wir alle besitzen. Denken wir uns, es träte Jemand vor Gott hin und bäte um Verzeihung seiner Sünden, aber auch sein Herz ist zum Verzeihen geneigt, er ist versöhnt mit allen denen, die im Laufe des Jahres sein Leben gestört.

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