Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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98 Frühlingszeit ist die Jugend, der Sommer die Mannesreife, der Herbst das Greisenalter. Der Winter dagegen ist die Verneinung des. Lebens — ist — der Tod! Aufsteigen, Höhepunkt und Niedergehen, diese allein enthält das Erden׳ leben — nicht eine Rast zur Sammlung frischer Kraft, um den Kreislauf von Neuem zu beginnen. Des Körpers Ent- Wickelung erfüllet die Jugendzeit. Des Geistes Entfalten im vollkräftigen Körper bekundet die Reife des Lebenssommers. Das Schwinden der Körperkraft zeichnet die Vollendung der Lebensbahn. Deshalb brachten am Pessach die Ahnen die Opfergabe des Omer, die in Gerstenähre ׳ bestand — einer Speise, allein angepaßt dem thierischen Körper Am Schebnoth dagegen weiheten sie vor Gott ״ שתי הלחםdie beiden Brode," Körperspeise und Geistesnahrung vereinet, während am Sukkot im ״ נסוןד המיםim Wassergusse", das Dahinströmen des Lebensquelles sinnbildlich bezeichnet ward. Das Frühlingsfest nun, das Jugendfest Israels, es wendet in einem seiner Grundgedanke!!, in seiner Belehrung sich hauptsächlich an die Jugend Israels! M. Th.! Einen Haupttheil der ungetrübten Jugendfreudigkeit bildet die leichte Empfänglichkeit der Jugend — es ist ihr hohes Vorrecht, schnell begeistert, zujauchzen zu können dem Erfolge, mit schwärmerischer Verehrung sich anzuschließen solchen, die ihnen Ideale scheinen von geistiger oder körperlicher Macht und Kraft. Allein dagegen fehlt der Jugend der nüchtern verständige, gedankliche Maßstab, zu beachten und zu beurtheilen, die Mittel und den wahren Werth der gepriesenen Erfolge — stets zu prüfen, ob die bewunderte Macht sich auf dem Boden des Rechts gehalten, ob die angestaunte Kraft in edler Weise ist verwendet worden. שמורים לכל בני ישראל eine Wacht allen Sprossen Jsraels ist darum dieses Fest, das stets von Neuem kündet eindringlich die Lehre, daß Unrecht vergehet, daß Recht allein bestehet — daß Hochmuth kommt vor dem Falle — daß Gott es ist, der erhebet, aber auch erniedrigt! Mit diesem Hinweise, wie ohnmächtig irdische Kraft und Macht, wie trügerisch und leer Erfolge sind der Gewalt, mit diesem seinem