Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Israel, wie sich unsere Alten in ihrer Bildersprache ausdrücken, dem feinsten, in blendender Weiße strahlenden Mehle vergleichbar war", das mehrfach gesiebt keine Kleie oder andere fremde Bestandtheile zurückläßt. Diesen Charakter der vollkommensten untadeligen Neinheit trug nun die jüdische Ehe von den Tagen Esra's durch die Jahrhunderte der Noth und des Druckes bis in unsere Zeit — und nunmehr sollten wir in der That gesonnen fei«, uns diesen Ruhmeskranz mit eigenen Händen vom Haupte zu reißen? Ich kann es nimmermehr glauben! Ich vertraue auf das jüdische Herz, auf den scharfen, klarblickenden, alle Hüllen und Schleier unbarmherzig zerreißenden jüdischen Verstand, auf den tiefen Familiensinn ltiib den natürlichen Selbsterhaltungstrieb in Israel; ich weiß, daß die jüdische Ehe auch aus einer anderen großen Krisis, die über sie hereinbrach, unversehrt hervorging. Es sind jetzt gerade siebenzig Jahre her, daß der Kaiser Napoleon das jüdische Synhedrin in Paris einberief (1807) und demselben unter verschiedenen anderen Fragen aus dem Leben und der Lehre Israels auch die Frage der Mischehe zur Beantwortung vorlegte. Wie lautete die Antwort des Spnhedrin? ״Wir werden den Personen, die eine Mischehe eingehen wollen, keinerlei Schwierigkeiten bereiten, aber eine jüdische Ehe ist es nie und nimmer, die sie schließen!" Und die Mischehe wurde in Frankreich und anderen Ländern von Staatswegen gestattet. Ist von der Institution ein starker Gebrauch gemacht worden! Nein! ein verschwindend geringer! Haben sich deshalb die jüdischen Gemeinden in jenen Ländern aufgelöst oder auch nur verringert? Nein? Sie bestehen bis zum heutigen Tage in der größten Blüthe! Die überwallende Leidenschaft, die jugendliche Unreife hat den und jenen auf diese Bahn geführt, oder was ohnehin morsch und haltlos war und in keinem Zusammenhänge mehr mit dem Judenthum stand, zog dem öffentlichen Abfalle dieses verschämte und verhüllte Sichhinausschleichen aus der väterlichen Neligion vor. Das Judenthnm im Ganzen hat dabei Nichts