Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Mutter," hier aber stehen die Kinder vor einem Entweder — Oder, krankend an dem tiefen Riß, der sich durch das Haus der Eltern hindurchzieht, an dem klaffenden Zwiespalt, mit dem die Ehe vom Beginne an behaftet war, ״blicken — wie es in den Sprüchen Salomonis (Spr. 30,17) heißt — עין תלעג לאב וכד entweder mit dem spöttischen Auge auf 'den Vater, oder mit den Blicken der Geringschätzung auf die Mutter" und fallen niit der Zeit entweder in den gähnenden Schlund des Nichts, des Chaos, oder — nach dem Gesetze der Schwere — in den weit geöffneten Rachen der Majoritätsreligion. II. Ich komme nun zu der zweite n Frage: ob aus der Mischehe große, nachhaltige Gefahren für das Judenthum, für die jüdische Familie erwachsen werden? Und da sage ich Euch offen und unumwunden: Unsere Feinde, die aus dem Umsichgreifen der Mischehe eine Zersetzung des Judenthums, eine Auflösung der kleinen Minorität Israels in dem großen Völkergewühl prophezeien, sie mögen sich beruhigen, und Ihr, die ihr vielleicht ängstlich und scheu geworden seid und schwarz in die Zukunft schauet — seid gleichfalls unbesorgt! Die Gefahr ist wahrlich nicht so groß, als sie im ersten Augenblicke erscheint. Die jüdische Familie ist fürwahr nicht ein Werk von gestern und heute, das der erste beste Luftzug ins Schwanken bringt, sie ist durch eine mehrtausendjährige Arbeit der Geister und Herzen festgefügt; ein geheimnißvoller Kitt, ein unsagbares Etwas, das sich nicht schildern läßt, dessen Wirkungen man an sich selber erfahren haben muß, hält diesen Bau zusammen. Da und dort hat sich ein Stückchen von dem Gemäuer losgebröckelt, wird sich in Zukunft manches von den Stürmen der Zeit ausgehöhlte Steinchen ablösen — aber um den Bau in seiner Gesammtheit ist mir wahrlich nicht bange, der hat schon gewaltigere Krisen als die jetzt im Anzuge befindliche überstanden und ist aus denselben neuverjüngt nnd gefestigt hervorgegangen. Befraget einmal die Geschichte Israels: Bald nach dem