Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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90 ausgegangen ist, der im Stande ist, Folge und Wirkung einer Handlung klar zu ermessen, wird der Mischehe seine Sympathien versagen müssen. Nicht wahr, Ihr seid in Eurer Mehrheit freisinnig, dem Fortschritte zugethan? Was heißt das? Ihr wollet das Judenthum aus sich selbst heraus läutern und entwickeln, Ihr wollet innerhalb des Jndenthums, auf dem Boden desselben fortschreiten! Wollet Ihr aber über das Judenthum, aus dem Judenthum ganz und gar hin ausschreiten? Ihr protestirt dagegen, die Absicht weiset Ihr mit Entschiedenheit zurück. Nun, m. A.! in der Mischehe wird ein solcher Schritt und zwar ein sehr starker Schritt aus dem Judenthum heraus gethan. Vergegenwärtiget Euch einmal zunächst die Vorgeschichte, die Präliminarien einer Mischehe. Soll ich sie Euch im Einzelnen ausmalen: Die Scenen, die traurigen Scenen des häuslichen Krieges, die Seelenkämpse, unter deren gewaltiger Reibung die Mischehe zu entstehen pflegt? Wie sich da buchstäblich das Wort des Propheten Micha (7,6) erfüllt: כי בץ מנבל ״ אב וגו'der Sohn schmäht den Vater, die Tochter lehnt sich gegen die eigene Mutter aus, die Schwiegertochter kämpft gegen ihre Schwiegermutter, die Angehörigen desselben Hauses sind unter einander verfeindet;" wie jener Zuruf an den Propheten Samuel (l. Sam. 8,5) auch an manche Eltern der Gegenwart sich richtet: דנה אתה זקנת ובניך לא הלכו ״ בדרכיךIhr seid ergraut in euren Ueberzeugungen, Eure Kinder aber wenden sich in Euren alten Tagen von Euch ab und gehen andere Wege"; wie da gar oft das heiligste, ehrwürdigste Gefühl, das von der Natur selbst eingepstanzte Gefühl der Pietät, nicht blos gegen die lebenden, sondern nicht selten auch gegen die im Grabe ruhenden Eltern, gegen den Geist, gegen die Traditionen einer ganzen großen Familie verletzt wird? wie viele Thränen, vom tiefsten Herzeleid, von beängstigender Gewissenspein ausgepreßte Thränen gar oft an einer solchen Mischehe kleben? Und nun, m. A.! verfolgt einmal die weiteren Schicksale mancher Mischehen. Da treten die beiden Ehegenossen aus -