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Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 89 (sequence 102)
Language
German
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89 Vor wenigen Tagen bat mich eine sehr achtbare Person in unserer Gemeinde brieflich um Aufschluß über einige sehr ernste und wichtige Fragen. Ich würde Euch am liebsten, wenn es zulässig wäre, den interessanten Brief vollständig riorlesen. Eine Frage lautete ungefähr: ״Wie stellt sich das Judenthum zu der jetzt nach dem Staatsgesetze zulässigen Mischehe? Erwarten Sie aus der Mischehe bedeutende Gefahren für das Judenthum?" — Da die Frage, wie Ihr sehet, ganz allgemein gehalten ist und einen Gegenstand betrifft, über welchen ihr Euch Alle gewiß gern eine Ansicht bildet, so habe ich die schriftliche Beantwortung der Frage unterlassen und ertheile hier eine mündliche und öffentliche zu Nutz und Frommen der ganzen Gemeinde. Die anfragende Person hat ihre Fragen geschickt und verständig gestellt und verdient, daß sie heute von mir eine sachgemäße Antwort erhalte, und von den Uebrigen, die mich nicht gefragt haben, gilt ja wohl das Wort der Haggada: ״ ושאינו יודע לשאול אתה פתח לוwer nicht den Willen oder die Fähigkeit besitzt, die Frage aufzuwerfen, dem komme du auf halbem Wege entgegen." M. A.! Die Mischehe im Allgemeinen ist eine staatliche Einrichtung, zu welcher der Staat von seinem Standpunkte unzweifelhaft vollkommen berechtigt war. Es ist durchaus nicht meines Amtes und es liegt mir die Absicht vollkommen fern, staatliche Einrichtungen, und zumal an dieser Stätte religiöser Belehrung zum Gegenstände der Kritik zu machen Wohl aber darf ich die religiöse Seite der Frage ins Auge fassen, und von den Gefahren, die etwa dem religiös-jüdischen Leben, besonders der jüdischen Familie, aus dieser Einrichtung erwachsen, zu euch reden. Nun, m. A.! ich denke, man braucht nicht einmal ein orthodoxer oder auch nur ein streng religiöser Jude zu sein, um diese Gefahren zu vermuthen. Jeder Jsraelit, der noch in ungebrochenem Zusammenhänge mit seiner Religion lebt, dem der religiöse Sinn noch nicht vollständig

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