Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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55 und zusammenfügen, sind doch nur dünne und leichte Feigenblätter, die der erste beste Lufthauch zerreißt und verweht. — Wahr ist ferner auch, daß man nicht mit der Frucht seinen Leib sättigen, seine Lüsternheit befriedigen sollte — aber dazu war sie auch nicht geschaffen, sondern um dem Geiste einen Hochgenuß zu gewähren, unr das höhere Verlangen der Seele zu stillen. Aber der Mensch begeht oft die weite Sünde, sie wird uns aus dem Grunde zu suchen, weil schön ist der Baum zum leiblichen Genüsse, und weil es eine Lust ist für das sinnliche Auge und lieblich ist zu betrachten. Das Himmelsbrot der Wissenschaft soll ihm bieten leibliche Nahrung, soll sich in den Dienst der Genußsucht begeben, ihm den Erlaubnißschein ertheilen, gewissen niederen Neigungen und Wünschen freier und unbedingter zu folgen. Das kann freilich nicht ihre Aufgabe sein, denn sie hat mit der Religion das gemein, daß auch sie nicht Leichtsinn und Leichtfertigkeit. nicht Schranken- und Zügellosigkeit, sondern heiligen Ernst und unbedingte Entsagung lehrt. Wenn aber der Mensch sie von Vornherein in der Absicht benutzen will, das Joch der Himmelsherrschaft ganz oder zum Theil von sich abzuschütteln, sein Leben sich leichter und bequemer, angenehmer, behaglicher zu gestalten, — dann kann es ihm nicht anders wie Adam und Eva ergehen, dann muß er gegen das Gottesgesetz scharf verstoßen. Lehrt uns doch die Schrift, daß erst dann, als das erste Menschenpaar in der verbotenen Art den Baum genoß, ihm die Möglichkeit entzogen worden ist, פן ישלח ידו ולקח גם מעזן החיים ואכל וחי ״ לעולםseine Hand auszustrecken und zu nehmen vom Lebensbäume, ihn zu genießen und das ewige Leben sich zu erringen, während es doch vorher sich seiner in uneingeschränktestem Maaße hat freuen können. Wenn aber in der rechten Weise die Erkenntniß gepflegt und gefördert wird, nicht in Ueber- Hebung und Rücksichtslosigkeit, sondern in Bescheidenheit und Ehrfurcht, nicht um dem Leibe, sondern um dem Geiste Befriedigung zu gewähren, nicht um des sinnlichen, sondern unr des geistigen Genusses willen, nicht aus äußeren Veweggrün-