Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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03 gewaltigen Einflüsse alle Verhältnisse beherrschen. Aber fast scheint es, als ob beide nicht friedlich nebeneinander leben könnten, als ob sie einander mit eifersüchtigem, mißgünstigem Blicke betrachten, gegenseitig verkleinern und herabsetzen müßken. Die Wissenschaft richtet oft ihre schneidigen Waffen gegen die Religion, stürmt in wüthendem Angriffe an sie heran, sie zum Wanken und zum Falle zu bringen. Und diejenigen, welche zu Hütern und Wächtern''des Glaubens vorzugsweise berufen sind, sie sehen wir oft nicht minder leidenschaftlich sich erheben und in zorniger Erregung jener und ihren Vertretern Tod kündigen und Verderben! M. A.! Sollten wirklich Glauben und Wissen solche unversöhnlichen Gegner sein, daß zwischen ihnen kein Frieden möglich, kein gutes Einvernehmen hergestellt werden könnte, -aß wir, wenn wir auf religiösen Boden stehen wollen, die Forschung bekämpfen oder ihr wenigstens keinen Zutritt zu uns gewähren müßten? Wohl hat das erste Gebot, das überhaupt an den Menschen ergangen ist, gelautet: ״Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, aber vom Baume der Erkenntniß des Guten und Bösen darfst du nicht essen, denn am Tage, da du davon issest, wirst du sterben." Doch damit sollte, wenn wir auf den Zusammenhang genauer achten, teinesweges der Genuß des Baumes der Erkenntniß gänzlich untersagt, sondern nnr die Anweisung gegeben werden, wie man desselben nicht genießen dürfte. Wohl ist es wahr, daß man nicht keck und verwegen aus denselben zugehen sollte, um seine Früchte rücksichtslos zu pflücken — aber war es etwa auch verboten, den Blick frei schweifen zu lassen durch alle seine Aeste und Gezweige und ungehindert und uneingeschränkt das Auge zu weiden an seinen herrlichen Blüthen und seinen wunderbaren Früchten. Heißt denn das den Genuß versagen, muß denn Alles, was bestimmt ist den Menschen zu erfreuen, von ihm auch in die H a n d genommen, in den M u n d geführt werden? Er soll eben — das ist der Sinn des göttlichen Gebotes. — in bescheidener Entfernung vor dem Baume der Erkenntniß stehen bleiben-, in scheuer Zurückhaltung zu