Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 42 (sequence 55)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9616701-9617473-9617474--1476-9617524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42 das Gebet. Den Zusammenhang mit Gott, die Verbindung mit ihm stellt das Gebet dar. Aber nicht etwa das gedankenlose Beten, nicht das Hersagen von bestimmten Gebetstücken giebt dem Herzen die Befriedigung und die Nutze, die es in Gott zu suchen hat, sondern die Wärme mit der ihr sie sprechet, das Gefühl, das ihr ihm entgegenbringt, macht das Wesen des Gebetes aus. Unsere Weisen sagen, man solle nur beten in einem Hause, das Luftöffnungeil hat. Nur wer beim Gebete seinen Blick zum Himmel richtet, nur derjenige, dessen Herz empfänglich ist, für das Gotteslicht, das in einem Jeden leuchtet, kann empfinden die Wohlthat, die ein aufrichtiges, inbrünstiges Gebet zu Gott ausübt. Es sagen manche, und ihr wisset ja, daß es deren gar viele in unseren Tagen gibt, wir können-nicht mehr beten, es sei die Sprache, in der unsere Gebete abgefaßt sind, ihnen nicht mehr verständlich und zugänglich, sie empfinden nichts mehr dabei, es seien Gebete, die sie nichts mehr angingen, die durch die Zeit überwunden und überstanden sind. Sie sagen, es genüge an Gott zu denken, einmal im Jahre im Vorübergehen davon zu sprechen. O, nein, m. F., nicht die Sprache und nicht der Inhalt ist es, der jene vonr Gebete so oft fernhält, ihr Herz ist erkältet und erstarrt, sie fühlen das Bedürfnis nicht mit ihrem Gotte öfter zu verkehren, sie sind zu sehr an die Erde, an das Weltliche gefesselt. Die Sehnsucht nach den höhern Gütern des Geistes, nach einer Befriedigung ihrer seelischen Begierden ist ihnen abhanden gekonlmen, sie wollen sich nicht mehr begeistern, nicht mehr in kindlicher Liebe, wie Kinder zu ihrem Vater, wie Diener zu ihrem Herrn, zu Gott den! Allmächtigen hinaufblicken. Aber die so denken werden alsbald die Leere in ihrem Herzen empfinden, so auch nur ein leiser Wind zu wehen anfängt, so auch nur ein wenig der Glücksstern sich von ihnen wenden wiro. Sie werden dann zu Gott rufen, aber unbefriedigt werden sie sein; denn zu sehr entfremdet dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.