Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Kunst die Religion ersetzen? Wahrlich, nicht alle Menschen vermögen Kunstfreunde, Kunstkenner zu sein und der Arme, der au der Brodkrume, die er durch Thränen erweicht, nagt, wird sich kaum für ein Kunstgebilde begeistern! Oder soll es die Arbeit, .etwa der Reichthum sein? Alles gar zu schwacher Ersatz nur für das ewige Gut der Religion! Jsraeliten, nur die Religion vermag uns Stab und Stütze zu sein für die Wanderschaft des Lebens; sie hat ihre Grundlage in der Natur des Menschen, aus ihr ist sie geflossen, mit ihr ist sie verwachsen, mit allen ihren Verhältnissen, Fragen und Geschicken, und nur in der Religion findet der Mensch Besriedigung und stets Nahrung. Nie imb nimmer kann sie aus der Menschheit schwinden, sie ist das Nervengeflecht, das Verstand und Gemüth verbindet, so daß sie auch unbewußt, wenn auch krank und blaß, ihren Einfluß geltend macht. Was der Materialismus und Atheismus gibt, ist nichts als Verneinung; hohle, nichtssagende Worte sind es, die den: Ntenschen nichts bieten, woran er sich Haltens stützeil könnte und in ihrem Nichts gähnt ein unendlicher Abgrunds in welchem Wahrheit und Recht, Liebe und Sittlichkeit, Pflicht und Erkenntniß hinuntersinken. Nur die Religion, nur ihr beglückendes Licht vermag dem Staube Lebeu, rechtes und echtes Leben in der Menschheit einzuhauchen, nur der Gottesgedanke ist es, der Recht lehrt und Wahrheit fördert; und darum דרשו ה' בהמצאו קראהו! בהיותו קרוב Suchet nur den Ewigen, ihn findet ihr allezeit, rufet ihn an, er ist euch stets nah, אפיתבעיון בעיו שבו אתיו. flehet ihn an, zu ihm wendet euch, zu ihm kehret zurück; ihr werdet allezeit einen liebreichen Vater sinden! An einem sonnigen, warmen Morgen kann man wohl des schützenden Daches entbehren, sobald aber Sturm und Unwetter naht, die Nacht mit ihren dunklen Schatten sich ausbreitet; dann suchen wir das schützende Dach der gastlichen Hütte. Und wentt es nun um euch und in euch finstre Nacht würde und kein Sternlein am Himmel sichtbar wäre; wenn Täuschung auf Täuschung das gramgebeugte Herz erfüllt; wenn Vater und Mutter dich verlassen und die Men-