Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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3 und Harren, es bricht sich Bahn in den Worten: ,לשנה טובד תכתבו! O, daß es euch Allen, Allen wohl ergehe! Y* Doch was isi^ das uns heute so beweget, die Brust so beklommen, das Auge so feucht macht? Warum erheben wir den "Blick so bang zur Hohe, warum pocht das Herz so gewaltig, so unruhig? Warum ist heute der Händedruck des Freundes so warm, der Blick des Vaters milder als sonst, die Stimme der Mutter bebender, zagender, unser aller Wesen gebeugter, sanfter, in sich gekehrter? Woher komntt es, daß das Feuer in uns, das sonst in tausend Zungen emporschlägt, heute gefesselt darniederliegt, daß der Ofen der Leidenschaft ten. in dem es sonst gar gewaltig glüht, heute feirt? ראש השנה ist's heute, Israeliten, der Anfang eines neuen Jahres, ein Stück unseres Lebens wird zu Grabe getragen und auf Nimmerwiedersehen bestattet; ein Abschnitt unseres Lebensbuches ist beendet und unser Auge sieht ihn nimmer wieder: ein Theil unseres Lebens ward von den Fluthen des Meeres der Zeit verschlungen — ein gewaltiges Meer, das mächtiger als alles Irdische und doch hörest du sein Schlagen nicht und seine Wogen fließen unbemerkt hinweg! Ein neues Jahr beginnt, Israeliten, daher jener heilige Ernst, der sich in unserem Wesen ausspricht; ein neues Jahr beginnt und neue Arbeiten sind es, die unser harren. Menschen sind Arbeiter, und wir graben und graben auf dem Felde unseres Berufes, und mit jedem Spatenstiche, den wir machen, vergraben wir zugleich einen Theil unseres Selbstes, bis der Spaten der schlaffen, müden Hand entfällt — die Arbeit sti vollendet; sie aber steigt sodann wieder aus dem Grabe und wird ein neues lebendiges Gebilde, wenn sie kräftig gewesen und aus dem Moder keimt neues Sein und aus der freudigen, erhebenden, beseligenden, ernsten Arbeit ersteht unsere Ewigkeit, unsere Unvergänglichkeit; darum auf, m. Br., rasch zur That, rasch zum Ernste! Einen Nuhepunkt gewährt dir die Religion, wie die grüne Insel dem auf dem weiten Ozean umhersegelnden Schiffer, einen Haltpunkt, daß