Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sende deinen Segen dieser Stnnde, daß sie sei eine Stunde der Gnade und des Erbarmens für die gesammte Menschheit, deinen Kindern Israel, auch mir, deinem Diener. Amen! Wenn ich heute, m. a. Vr. u. Schw.! um mich blicke und die Erde, diese Stätte bunter Mannigfaltigkeit, wie ein trauter Familienzirkel verschmisterter Wesen mir erscheint; wenn in dem unendlichen All so viel tausend Zeugen der dahingeschwundenen Augenblicke, deren Keime die ewige Hand der Vorsehung in ihrer unendlichen Liebe aufs Neue streut, ich dankbar und bewegt betrachte; wenn ich des Abends hinaustrete und vergebens nach einem Lichte spähe, das den Himwel erhellte nnd ich den unbefriedigten Blick auf's Erdenthal lenke und den schlafenden Menschen da unten zurufe: Erwachet morgen froher, ledig der Sorgen, ledig der Schmer- Zen, befreit von den tausend Fesseln, die euch umschließen! und wenn ich dann an die Wachenden unter uns denke, deren eingeschlasene Seele desselben Rufes bedarf: Erwachet lebendiger für das Werk des Lebens, freier, empfänglicher für die Menschheit, ledig der Fesseln, die euch zur Erde drücken! und wenn ich tiefer in das Herz der wogenden Menge dringe und allen Gram und alle Sorge, allen Jammer und alles Weh und alle Schmerzen, die das Innere zerwühlen und verwunden, erkenne; wenn ich in mein eigen Herz blicke und die Sorge, die es beängstigt, und das Bangen, das es erfüllt, und das Hoffen, das es bewegt, mir klar vor's Seelenauge führe: £), dann wird die Brust zu eng, zu voll, zu schwer und das ganze Weltall mit dem weilen Himmel, alles sinket zusamwen und eine hohe, gewaltige Einheit erhebt sich vor mir und in dem Brausen vernehme ich die weithin hallenden Stimwen treuer Brüder, wie sie sich einander bang und weich die Wünsche eines frohen neuen Jahres bringen, und diese bewegten Herzen und diese zitternden Stimmen, sie ergreifen wich; auch ich möchte rufen — ich kann nicht, auch ich möchte wünschen — ich weiß nicht was; auf dem Herzen liegt's wie ein Alpdrücken und alles Wünschen und Hoffen, alles Sinnen