Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 11-12 (8.1876) August-September
- Date
- 1876-08-01
- Page
- [Seite 14] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Du lernen, daß so wie die Schrift bei dem Vergehen der erwachsenen Brüder Joseph's, deren SBerantrDortli^feit eine ungleich größere war, keine Entschuldigungsgründe erkennt, sondern das Thatsächliche ohne Uebertünchung und Beschönigung mittheile, so auch die Schrift vollauf glaubwürdig ist, wenn sie die Tugendthat Joseph's rühmend hervorhebt." Und die Ungläubige ward in Folge dieser Belehrung bekehrt. — Ja, das ist, m. A., das Erkermungszeichen der Glaubwürdigkeit und Göttlichkeit unserer h. Sch., daß sie ihre Begeisterung weckenden Heldengestalten nicht makel- und fehlerlos, sondern mit summt ihren Schwächeu und Gebrechen, nicht schlechthin als Lieblingsgestalten, sondern als solche, die sich durch ihre imponirende sittliche Charaktergröße von ihrer rein-menschlichen Grundlage aus zur erhabeneil Tugeudgröße emporrangen, uns vorführt. Die große Lehre: es irrt der Mensch so lange er lebt, aber es trachte Jeder, seinen Jrrthum abzulegen; kein Mensch ist vollendet, aber es strebe Jeder sich zu vervollkommnen: diese Lehre nicht in abstracten, trockenen Sätzen, sondern durch in den biblischen Helden verkörperte Lebensbilder wird sie uns veranschaulicht. Und es bedünkt uns, wenn wir einem solchen Helden inmitten der Anwandlung seiner menschlichen Schwäche in's Auge sehen können, daß wir alsdann ihm auch menschlich näher stehen. Wir fühlen alsdann: also auch dieser große Mann war nur gleich uns Mensch, ein irrender Sterblicher ״ עצם מעצמי בשר מבשריFleisch von unserem Fleisch, Bein von unserem Bein", dem Jrrthuur gleich uns verfallen, den! Fehl gleich uns preisgegebeu! Und der Ertrag dieser Erkenntrriß ist, daß wir mehr als einer, in unerreichbarer Erhabenheit über uns emporragenden Heldengröße einem, durch seine Schwächen mit uns wahlverwandten Manne Vertrauen und geneigtes Ohr, um an und aus seinen: Leben zu lernen, entgegenbringen. a. Z. Zu dieser bisherigen Gedankenfolge bestimrnte uns der Umstand, daß die h. Sch. wie mit einen: Triumphe zu wieder- Holter: malen meidet, Moses habe sich vergangen und sei deshalb von Gott bestraft worden. ״Besteige, heißt es auch in der dieswöchentlichen Sidra, besteige den Berg Abarim und niurm in Augenschein das Land, das ich den Söhnen Israels gegeben habe. Besichtige es, dann sollst Du eingethan werden zu Deinem Volke, wie da eingethan ist worden Dein Bruder Ahron, dieweil ihr euch gegen ineine Anordnung aufgelehnt habt in der Wüste Zin beim