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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-08-01 · 11-12 (8.1876) August-September · p. [Seite 10]

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
11-12 (8.1876) August-September
Date
1876-08-01
Page
[Seite 10] (sequence 10)
Language
German
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2־31 Rede das Schattenbild der Zutunft entwarfen, der das abtrünnige Volk entgegenginge, und das sich auch nur allzusehr erfüllt hat. Moseh zumal ist hart und scharf in seiner Rede; er liebt seinen Gott und fein Volk so heiß, daß er den wiederholten Abfall gar nicht fassen kann, er sieht stets auf's neue die Keime der Sünde emporschießen, da reißt sein jäher Eifer, sein Ingrimm über die Neigung Israels, die Krone von sich zu werfen, um den Völkern der Erde zu gleichen, ihn fort, und in herben, strengen Worten zeichnet er die Zukunst, und nur, wie zum Bergmann in die tiefe Grube ein schwacher Sonnenstrahl sich stiehlt, so leuchtet ein matter Schimmer des Trostes, daß Israel nie׳ ganz zu Grunde gehen werde, durch viele seiner Reden. Auf Bileam und Moseh wird der Spruch Salomo's angewandt: מוכיח אדם אחרי הן ימצא ממחליק לשון ״Wer strafend den Menschen auf Gott weist, findet mehr Gunst als der mit glatter Zunge". Aber diese Frage drängt sich uns auf, wenn auch der strafende Warner mehr Gunst verdient, als der glattzüngige Schmeichler, ist das durum doch die rechte Art, die Moseh erwählt hat, zum Volke Zureden? Wohl, Israel hat viel gesündigt; aber verdiente sein Dulden, seine vierzigjährige Wanderung durch saatenloses Land nicht auch Worte der Anerkennung? Lähmt und entmuthigt es nicht, wenn stets darauf hingewiesen wird, wie viel des Weges noch fehle, um ans ersehnte Ziel zu gelangen, und nicht auch das gesagt wird, daß eine gute Strecke schon hinter uns liegt? Und sodann, warum ist Bileam's Rede in das heilige Gottesbuch ausgenommen worden, da ja auch dieser Segen, dieses Lob von giftigem Hauche getränkt ist? Konnten die Verheißungen, die aus Bileam's Munde den Israeliten wurden, nicht ohne diese schlimme Zuthat der Nachweit überliefert werden? Zudem, wem von beiden sollen wir solgen? Wen stellt die Schrift als mustergültg auf für diejenigen, die in später» Zeiten den Berus zum Volke zu reben erwählt haben? Bileam wird wohl keineswegs zum Muster empfohlen sein; denn Reden, wie die seinen, stärken den Hochmuth und schwächen den Willen. Dennoch steht seine Rede in der heiligen Schrift; Moseh hinwiederum, seine Gesinnung, seine Frömmigkeit, seine Hingebung zu Gott, seine Liebe für Israel, wer möchte sie nicht verehren, wer ihm hierin nicht nachstreben, wenn auch ohne Hoffnung, ihn den Göttlichen zu erreichen. Aber ob seine Art, das Volt zu belehren,

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