Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 11-12 (8.1876) August-September
- Date
- 1876-08-01
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9616701-9617075-9617394--0660-9617396- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
II — 304 der That, den schlimmsten Widersacher unseres Volkes würden wir, würden unsere Weisen die scharfe Waffe selbst in die Hand drücken, wollten wir läugnen, daß unter den Völkern eine gleich große Kraft des Geistes vorhanden war, Gott zu begreifen als in Israel, daß auch ihnen Männer erwuchsen, reich ausgestattet mit den Kleinodien der Erkenntniß und der Beredtsamkeit, um Leuchten derer zu sein, unter denen sie weilten. Was für ein Verdienst hätte Israel voraus, wenn ihm die Bahn zu Gott geglättet und geebnet worden ist, wenn ihm der Herr Berather und Führer gesandt hat, während sie den Andern versagt geblieben sind. Nein, darauf weist der Talmud in tausend Wendungen hin, nicht an Einsicht, nur am Willen, nicht am Verstand, nur am Herzen hat es den andern Völkern gefehlt, daß sie es den Israeliten nicht gleich thaten. Dereinst, am Tage des Gerichts, so lautet eine geistvolle jüdische Legende, werden die Völker hintreten vor Gott und zu ihm sprechen: Du willst Israel lohnen, weil es treu war, und uns strafen, weil wir Dir nicht gefolgt sind. Hast Du uns doch keine Führer gegeben, die uns zu Dir leiteten; Israel aber gabst Du Fürsten und Weise und Seher; was Wunder; daß sie Dich fanden; nicht weil ihr Wille reiner, sondern weil ihr Geist kräftiger, klarer, unterrichteter war, haben sie Dir gedient. Der Herr aber wird ihnen sagen: o welch eitle Rede führt ihr im Munde. Hattet ihr denn keine Fürsten und Weise und Seher? Habe ich nicht auch Euch mit großen Gaben ausgestattet? Israel aber brachte diese. Gaben * zum Opfer seinem Gotte, und ihr habt sie vergeudet in schnöder Selbstvergötterung. Laßt Euch, so läßt die Legende Gott ferner reden, laßt Euch an einigen Beispielen genügen. Israel hatte einen großen Kriegshelden, das war David, der auf seinen Zügen großen Ruhm und große Schätze gewonnen, aber Nebuchadnezar war sicherlich nicht minder durch Kriegsruhm und Reichthum ausgezeichnet; aber während der eine unbethört durch Ruhm und Reichthum seinem Gotte tiefempfundene Lieder dichtete und sein Gold einem Tempel weihte, den er nicht einmal selbst erbauen durfte, hat Babylons König in maßloser Verblendung sich selbst vergöttert, und berauscht vom Erfolge, den Urheber seiner Siege vergessen und geschändet. Israel hatte ferner einen weisen Staatsmann, das war Salomo, die Heiden hatten gleichfalls einen, er hieß Haman. Aber während Salomo aus dem vom Vater ererbten Schatz einen Tem- I!« -*